Russische Diplomatie: Putin gegen Irak-Wahl unter US-Besatzung


Russlands Präsident Putin hat scharfe Kritik an den im Irak geplanten Wahlen geübt. Er könne sich nicht vorstellen, wie diese unter „fremder Besatzung“ organisiert werden könnten. Putin sagte ferner, er erwarte, dass die Interessen russischer Firmen beim Wiederaufbau des Irak berücksichtigt würden.

Das glaub ich jetzt ja nicht! Anstatt sich zerknirscht ins hinterste Kremltürmchen zurückzuziehen und drüber nachzudenken, wie er die Bitte um Entschuldigung an das irakische Volk für die Unterstützung des Ba’ath-Regimes formulieren soll, gibt der Präsident jenes Landes, daß mehr als jedes andere (ja, sogar mehr als Frankreich, auch wenn man es kaum glauben mag) an der Schreckensherrschaft Saddam Hussein’s mitschuldig war, dumme Ratschläge.

Daß jemand wie der große Autokrator Probleme mit der Vorstellungskraft hat, wenn es um freie Wahlen geht, klingt zwar angesichts seiner eigenen Verdienste um die Abschaffung selbiger im eigenen Land – und zwar ganz ohne fremde Besatzung – absolut glaubhaft, ändert aber nichts daran, daß er nun wirklich der letzte in der Achse des Friedens ist, der in irgendeiner Weise legitimiert ist, sich zu solchen Themen zu äußern.

Besonders dreist ist aber seine „Erwartung“, daß die Interessen russischer Firmen beim Wiederaufbau berücksichtigt werden. Er sollte lieber mal den Ball flach halten und hoffen, daß die Opfer der ba’athistischen Besatzung des Irak nicht auf die Idee kommen, die Rolle eben dieser Firmen (und bei der Gelegenheit am besten auch gleich seine eigene) im Rahmen eines milliardenschweren Schadensersatzprozesses untersuchen zu lassen.

Sofern der Mann noch bei Sinnen ist, kann man das ganze nur damit erklären, daß er wahrscheinlich vergrätzt war, weil sein Versuch, auch in der Ukraine eine Demokratur a la russe einzurichten, vorzeitig aufgeflogen ist, und er den Amerikanern jetzt das Leben zur Strafe auch ein bißchen schwerer machen will. Aber wie auch immer, er soll sich an seinen neuen atomaren Wunderwaffen einen run…, äh – freuen und ansonsten den Mund halten, wenn die Erwachsenen reden.

P.S.: Boris Nikolajewitsch, wo bist Du?

~ von Paul13 - Dienstag, 7. Dezember 2004.

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