Blogs sind kein Journalismus


[…] Kein Wunder: Ein subjektiver Blogger ist nur sich selbst verpflichtet, hat nichts zu verlieren – außer seinem Selbstwertgefühl. Ein Zocker dagegen verliert seinen Wetteinsatz, ein Journalist seinen Ruf und sogar seinen Job (seinen Auftrag), wenn er nur seinem Gefühl folgt, nur seine Meinung wiedergibt.

Aber, aber, Ihr könnt doch einen armen Teufel wie Marc Pitzke vom SPIEGEL oder Ulrich Ladurner von der ZEIT nicht einfach auf die Straße setzen, nur weil sie statt Fakten ausschließlich ihrem Gefühl folgen und anstelle von Nachrichten nur ihre Meinung wiedergeben!

[…] Journalisten in einer demokratischen Gesellschaft sind dazu berufen, möglichst objektiv – oder entsprechend nachvollziehbarer Kriterien der Medienbesitzer (Tendenz) – die Realität widerzuspiegeln. Berufung meint auch Beruf. Dessen Kern besteht aus drei Elementen: Professionelles Handwerk (beim Umgang mit Sprache, Text, Bild), Moral & Ethik (Standards z. B. im Umgang mit Quellen) und Verantwortungsbewusstsein (für die gesellschaftliche Aufgabe von Journalismus).

Mal ganz im Ernst, guter Mann, aber bezeichnest Du beispielsweise die Irak-Berichterstattung der deutschen Medien wirklich als professionell? Wieviele Beispiele von Unprofessionalität willst Du? Die Mainstreammedien zeigen immer wieder Bilder entweder in einem falschen Kontext (absichtlich) oder nehmen gleich das falsche Foto (versehentlich). Professionell ist beides nicht.

Der geschickte Umgang mit der Sprache speziell beim SPIEGEL macht zwar manchmal durchaus Spaß, verläßt aber gleichzeitig zunehmend die Professionalität in Richtung – zugegeben oft gut getarnter! – Propaganda. Von Moral, Ethik und Verantwortungsbewußtsein wollen wir bei der Verherrlichung islamistischer und faschistischer Terroristen zu Widerstandskämpfern gar nicht reden.

Aber auch die Tiefe und Genauigkeit der Berichte ist der von einigen Bloggern inzwischen teilweise weit unterlegen. Wenn ich wissen wollte, was in Falludscha gerade los war, habe ich immer zuerst in bestimmten Blogs nachgeschaut, weil sowohl qualitativ wie quantitativ selbst in den Onlineausgaben der offiziellen Medien auch Tage später nichts auch nur annähernd vergleichbares verfügbar war.

Und selbst bei einem Weltereignis wie der Wahl in den USA, fand man die aktuellen Ergebnisse in einigen Blogs wesentlich früher als im gesamten Fernsehen (gleich ob öffentlich-rechtlich oder privat) – sofern darüber dort überhaupt berichtet wurde.

Also lernt erst mal wieder, Euren Job anständig zu machen, anstatt rumzuweinen, daß Ihr anfangt die Konsequenzen zu spüren, weil Ihr Euren Job eben nicht anständig macht. Dann hören wir Euch auch wieder zu. Vielleicht.

~ von Paul13 - Donnerstag, 2. Dezember 2004.

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