Der Wechsel, den sie meinen


Obama ist ihr Angebot einer Wiedergutmachung nach all den Jahren der vorsätzlichen politischen Provokation, der völkerrechtswidrigen Angriffe, der Doktrin vom amerikanischen Recht auf den militärischen Erstschlag. Die Bush-Doktrin wurde gestern Nacht abgewählt. Der Alleingang der westlichen Supermacht dürfte fürs Erste beendet sein.

Da dürften in den Palästen der Potentaten in aller Welt heute Nacht die Sektkorken ja im Dauerfeuer geknallt haben. Solange der Herrscher von Despotistan in Zukunft nicht gerade so blöd ist, den USA direkt den Krieg zu erklären – und blöd sind Diktatoren selten, zumindest verglichen mit den demokratischen Appeasementträumern, mit denen sie es in der Regel zu tun haben -, darf ab jetzt also endlich wieder ohne Angst vor den Konsequenzen ganz völkerrechtskonform und mit offiziellem UNO-Stempel massakriert, gemordet und terrorisiert werden.

Die Kavallerie wird nicht mehr alleine losreiten, um Völkermorde an fremden Menschen in fernen Ländern, über die wir nichts wissen, zu stoppen. Die provozierenden Marines werden die globale Verbreitung von Massenvernichtungswaffen nicht noch einmal stören, bevor nicht am rauchenden Krater eines Atomtests die „smoking gun“ erkennbar ist (danach natürlich erst recht nicht). Schlimmstenfalls ein paar Marschflugkörper, die tun außer den Getroffenen niemandem weh, und erwecken an der Heimatfront einen ausreichenden Eindruck harten Durchgreifens.

Die Hurensöhne der Realpolitik dürfen dank der Formel „yes you can (stay in power)“ jetzt jedenfalls wieder auf unbestimmte Zeit Hurensöhne bleiben, und die Weltpresse klatscht zu diesem „Fortschritt“ begeistert Beifall. Willkommen im neuen, alten Zeitalter der Realpolitik! Hat ja niemand gesagt, daß der „change“ einer in die Zukunft sein wird.

~ von Paul13 - Mittwoch, 5. November 2008.

16 Antworten to “Der Wechsel, den sie meinen”

  1. Hm, haben die Biden eigentlich mal zughoert was der so von der UN und Europaern so haelt?
    @Paul
    Ohne den Iraq und Afgahnistan waere Biden einer Welt ohne UN und Pro Darfur etc. naeher als so manche glauben.
    Die Bremse fuer Bodentruppen wird da nur Obama sein der aber wird schnell merken dass Verhandlungen mit der UN und “Verbuendeten” sowie Diktaturen kein treit im Gerichtssaal sind.
    Sorgen macht mir da er der Oberste Gerichtshof, da heisst es jetzt fuer die Mitglieder stark und Gesund bleiben bis der Spuk in beiden Haeusern vorbei ist.

  2. So ganz kann ich folgendes nicht verstehen:
    In diesem Artikel steht, dass Obama die Gefahren, die von manchen Staaten ausgehen nicht erkennt oder auch nicht erkennen will und damit “zu friedlich” handeln will.

    Im vorigen Artikel lese ich wiederum, dass Obama fast so handeln wird, wie es McCain getan hätte:
    (“Aber nicht weil ich davon ausgehe, dass er am Ende tatsächlich so viel anders machen wird als McCain, nur ist es halt immer irgendwie unfair, wenn die schlechte Kopie beliebter ist, bloß weil sie sich besser verkauft als das Original.”)

    Außerdem habe ich auf SPON eine Sammlung von Wünschen an Obama mir durchgesehen.
    (http://www.spiegel.de/flash/0,5532,19277,00.html)
    Viele Befragte aus den Krisengebieten (Afghanisten, Irak etc.) sagen, dass Amerika nur noch mehr Unheil in ihr Leben gebracht haben. Diese Bürger müssten es doch am besten wissen. Oder nicht?

  3. @ Fabian

    Tja, so wie ich die Kollegen kenne, würde ich glatt sagen: Die suchen sich schon jemanden aus, der in ihrem Sinne zitiert werden kann.

  4. Das habe ich mir auch schon gedacht, zumal ich ein Video (http://de.youtube.com/watch?v=TG4fe9GlWS8) gesehen habe, in dem ein Soldat beteuert, dass irakische Bürger sich über die Amerikaner gefreut haben.

  5. Medwedew will wohl schon mal checken, wie es mit Obamas sog. Weichei-Image wirklich bestellt ist.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,588655,00.html

  6. [...] der Form einer ausführlichen Stellungnahme wie bei No Blood for Sauerkraut (es geht auch schlicht süffisant). Das beste haben einmal mehr die von der Titanic aus dem Ergebnis gemacht; das funktioniert [...]

  7. @Paul13: so richtig zugehört hane sie im Wahlkampf nie, oder? Sonst würden sie nicht so einen Blödsinn schreiben…

  8. jetzt muss man morgens nicht mit zitternden kien aufstehen und hoffen, dass opa mccain noch lebt. miss alaska in charge of weltpolitik – das wäre eine schöne gaudi geworden.

  9. @ rene
    Was bist du denn für ein Clown? Fakt ist, dass Saddam selbst behauptet hat er besäße Massenvernichtungswaffen.
    Bush blieb keine Zeit für Ratespielchen und vieles hat nun einmal darauf hingedeutet, dass Herr Hussein Recht hat (siehe Berichte des Pentagons) und vielleicht hat er selbst daran geglaubt. Bush gibt lediglich die Fakten wieder von Heute, was aber nicht heißt, dass er Gestern nicht Recht hätte. Die Schuld geht vom irakischen Regime aus.

  10. Hm, ich habe mir gerade nochmal die Rede von Biden auf dem Dem Parteitag in Denver gegoennt.
    Wuerde ich jedem Anhaenger des designierten Praesidenten mal anraten zu lesen. Viel Spass besonders seine Ausfuehrungen zum Thema Russland und Georgien. Vor allem den Teil mit der Bestrafung von Russland fuer Georgien finde ich immer noch sehr knackig. Nun denn wir werden sehen was kommt, das einzige fast fest steht ist das er gerade die europaeischen Anhaenger bitterlich entaeuschen wird.

  11. @ neocool

    Diese Frage stellt sich eher bei Ihnen. Deshalb Teil II der Verhinderung einer NeoCon-Dolchstoßlegende:

    – Saddam hat auch behauptet alle Iraker liebten ihn und er sei ein gläubiger Muslim

    – Bush hingegen hat behauptet ER selbst habe BEWEISE für die Existenz irakischer WMD. Conclusio: Lügner und/oder Schwachkopf.

    – die Fakten, die heute wiedergibt (Duelfer-report usw.) werden von den hiesigen Schwachköpfen mit Hinweisen auf die syrische Wüste, die lybische Wüste, das iranische Gebirge, die Marsebenen – und überhaupt … immer noch bestritten.

    – und ein für alle Mal: Schuld an der amerikanischen Invasion und der Besetzung des Irak ist derjenige, der diese angeordnet hat. Wer war das noch gleich?
    Oder soll die Argumentation auf Nolte II hinauslaufen, dass der angriff im März 2003 nur der Präventivschlag gegen den unmittelbar bevorstehenden Angriff des bolschewistischen – äh islamistischen Untermenschentums war?

  12. @nmr
    Jacke wie Hose, die Truppen sind da, Sadam ist beim Teufel oder wo auch immer, der Iraq ist auf dem Weg und Obama wird die Truppen auch erst dann abziehen wenn die Lage es erlaubt und nicht vorher. Also Bush 1 – Sadam 0
    Und dann verabschiedet euch auch gleich von ein paar anderen feuchten Traeumen und baut schon mal die Schilder fuer die kommenden Anti-Obama Demos.

  13. @ auslaender

    Not quite. Was Petraeus mit seiner counterinsurgency-Strategie – gegen das Pentagon und große Teile des Weißen Houses! – erreicht hat, ist eine Stabilisierung eines sehr fragilen status quo, ohne die grundlegenden politischen Probleme des Besatzungsregimes zu lösen. Obama kann nicht beide Kriege gewinnen (wenn überhaupt) und er hat sich auf Afghanistan festgelegt. Also wird es darum gehen, einen geordneten “ehrenvollen” Rückzug zu organisieren. Dabei ist weniger interessant ob dieser 6 oder 16 oder auch 26 Monate dauert. Spannender ist die Frage, wem die USA den Irak dann überlassen werden. Denn eines ist klar: nach Abschluss des amerikanischen Rückzuges

    – werden die Kurden ihren eigenen Staat ausrufen und ich bin sehr gespannt, wie die irakische Zetralregierung UND die türkische Armee darauf reagiert

    – wird die amtierenden Regierung – eigentlich müßte sich Maliki bis dahin zu Wahl stellen – über den Status der sunnitischen Minderheit in diesem neuen Irak entwscheiden müssen. Die aktuelle Entwicklung spricht für ein erneutes Auflammen des Bürgerkrieges, wenn die sunnitischen Eliten NICHT beteiligt werden

    – wird die gleiche Regierung die Forderungen der schiitischen Massen – geführt von einem sehr geschickt agierenden Al Sadr – nach Sicherheit, Jobs/ Einkommen und eine funktionierende Infrastruktur erfüllen müssen, wozu sie bisher trotz massiver amerikanischer Hilfe nicht in der Lage war – oder die Gefahr innerschiitischer Fraktionskämpfe (Region gegen Region, Miliz gegen Miliz) heraufbeschwören und schließlich

    – wird der Irak sein Verhältnis zu den Nachbarstaaten bestimmen müssen. Mit der großen Chance, zum Schlachtfeld eines regionalen Machtkampfes zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zu werden.

    Eine Lage, “die einen Abzug erlaubt”, wird es deshalb in den nächsten Jahren nicht geben. Aber Obama kann sich diesen Krieg schlicht nicht mehr leisten. Er braucht die Truppen für Afghanistan und das Geld für die vor dem Kollaps stehende amerikanische Wirtschaft.

    Nur in einem Punkt haben Sie recht: er wird seine erste Amtszeit weitgehend damit verbringen, die Krisen zu bewältigen, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Aber seien Sie sicher: mittlerweile hat selbst der Dümmste begriffen, wer für diesen Schlamassel verantwortlich ist – the worst president ever, George W. Bush und seine NeoCon-cronies.

  14. @ NMR

    Am Ende bleibt die Demokratie im Irak, und damit haben weder Bush noch Obama verloren, sondern höchstens Du. Im übrigen kann Obama den Irakkrieg nur deswegen nicht gewinnen, weil Bush das – gegen seinen ausdrücklichen Willen! – bereits für ihn erledigt hat.

    P.S..: Stell mal Deine Uhr um. Auch wenn ich dir gönne, daß bei Dir noch Sommer ist, finde ich es irgendwie beunruhigend, wenn mir jemand Nachrichten aus der Zukunft schickt. ;-)

  15. @ Rene

    (ok, dann spielen wir die Clown Karte zu Saddam;
    ich fand dein Post wirklich clownesk, aber nachdem ich mal im Archiv bissl gestöbert habe, musste ich feststellen, dass das ja tatsächlich deine Meinung ist)

    —————— Z I T A T —————-
    Es wird heute nicht mehr funktionieren, dass ein Staat in Cowboy-Manier in ein Land einmarschiert und sein System aufoktroyieren will.
    —————— Z I T A T ______ E N D E—————-

    Welche Cowboy-Manier? Ein Cowboy würde nicht, nachdem er in irgendein Schuppen alles platt gemacht hat, danach wieder alles aufräumen.
    Er würde davonreiten, vom Sattel aus nochmal nach hinten schauen und sobald jemand meint sich vom Boden zu erheben (bevor der Kuhjunge weg ist) nochmal sein Colt leeren und die letzten Whiskeys vom Regal schießen. Danach reitet ein Cowboy davon und zündet sich seine Zigarette an.

    Und das macht speziell ein Sheriff so oft bis der Ladeninhaber vom Aufräumen genug hat und die Kunden sich von ihm abwenden.

    Jeder Diktator ist wohl durch eine Schutzhülle bestehend aus Völkerrechtsmembran, Menschenrechtsschale und anderen Schichten umhüllt, der ihn mehr Spielraum als nötig einräumt und mit dem sicheren Gewissen, dass die meisten Leute den Befreier verachten, lässt es sich weiterhin schön in Folershausen, Unterdrückerstan und Rechtlosien herrschen.

    Ich habe nichts gegen Kritik an Bush oder gegenüber den USA. Die Kritik kann und darf aber nur speziell ausfallen, andernfalls ist man wieder nur ein typischer Anti-Amerikaner. Und wer nur kritisiert, der macht sich lächerlich bzw. nur das Negative sieht! Wie realitätsfern muss man durch die Welt gehen? Entweder man liest nur Spiegel (irgendwie muss sich ja der negativ bewertete “Cowboy” Ausdruck eingeschlichen haben) oder man ignoriert gezielt.

  16. @ Rene

    Falls Du von mir noch mal ernsthafte Antworten hören willst, solltest Du sofort (oder besser noch schneller) damit aufhören, hier anderen zu unterstellen, mit mir identisch zu sein. Anders als Deine diversen Nicks haben die anderen nämlich alle unterschiedliche IP-Adressen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: