Staat? Mit (innerer) Sicherheit nicht!
Nachdem wir in Teil I bereits die Möglichkeiten diskutiert haben, ein anarcho-libertäres Gemeinwesen gegen Bedrohungenen von außen zu schützen, wenden wir uns in Teil II den Vorschlägen des Autors zur inneren Sicherheit zu:
es ist sicherlich möglich auch sicherheitsagenturen zu gründen die dafür bezahlt werden sich mit sicherheitsproblematiken auseinenderzusetzem |
diese konnten wachschutz anbieten, fälle ermitteln oder einfach schlecht geschützte teile der gemeinschaft suchen und sicherheitshinweise geben
Bei der Schutzfunktion haben wir aber wieder das Problem der Territorialität des Schutzprinzips, von dem auch Nichtmitglieder profitieren. Das müßte man erst mal in den Griff kriegen. Bei den Ermittlungen wiederum wird’s ohne Gewaltmonopol sehr schwierig, auch nur mal einen Zeugen vorladen oder gar einen Verdächtigen verhören zu dürfen. Da könnte ja jeder kommen. Und was ist mit dem Abhören von Telefonen? Darf jeder private Sicherheitsdienst die dazu benötigte Ausrüstung beim Media Markt kaufen? Kann ich das auch, oder muß ich mich erst als Sicherheitsdienst zertifizieren lassen? Falls ja, anhand welcher Kriterien und vor allem, von wem? Ohne wenigstens eine gewisse staatliche Oberaufsicht dürfte das kaum gehen.
strafvollzug in diesem sinne würde es nicht geben |
eine ’strafe’ muss das unmittelbare ziel haben andere zu schützen, nicht bestimmte gedanken zu bestraften der irgendwelche rachgelüste zu erfüllen
Die Priorität sollte tatsächlich auf dem Schutz vor neuen Verbrechen statt auf der Sanktionierung der alten bestehen, das ist ein wichtiger Punkt. Das geschieht aber nicht zuletzt durch Prävention, und die wäre in einer anarcho-libertären Gesellschaft aufgrund der weit schlechteren sozialen Bedingungen gerade für die wirtschaftlichen Verlierer eh der große Schwachpunkt. Dann liefe alles immer recht schnell auf Sicherungsverwahrung raus, und aus Kostengründen würde dabei auch bei Kindern und Jugendlichen kaum etwas in die Resozialisierung gesteckt, wenn die Erfolgsaussichten sich nicht mit dem Budget der jeweils zuständigen Justizfirma in Einklang bringen lassen.
Davon abgesehen gäbe es ja auch keine allgemeingültigen Normen für Gerichtsverfahren etc., d.h. jeder kann einfach von der Straße weggefangen und auf die Teufelsinsel verschleppt werden, wenn der jeweilige Subunternehmer der Ansicht ist, daß seine Kunden das so wollen. Bei alledem darf aber auch die Wiedergutmachung des Schadens nicht vergessen werden, und zu der gehört unter anderem eben auch das Stillen des Rachebedürfnisses des Opfers, was in einer Gesellschaft ohne verbindliche Normen nicht ungefährlich ist. Während das in einem Staat durch ein Strafgesetzbuch geregelt werden könnte, ist hier der Willkür Tür und Tor geöffnet.
gerichte sollten primär schlichtungseinrichtungen zwischen opfer und täter sein, es ist wichtig das der täter mit dem konfrontiert wird was er tut |
Das ist sicher absolut richtig und wird heute leider völlig vernachlässigt. Gerade bei jungen Tätern dürfte das noch einiges bewirken können, weil die Konfrontation mit der Tat den Täter zwingt, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen.
da sie gerichte könnten als dienstleister dann auch dinge klären mit denen heute niemand vor gericht gehen würde
Gegen den vermehrten Einsatz von Schiedsgerichten gerade bei Bagatelldelikten und Straftaten Jugendlicher ist ebenfalls nichts einzuwenden. Wobei das wie auch die erwähnten Schlichtungseinrichtungen aber ebenso innerhalb des bestehenden Systems funktionieren würde
das sind ziemlich optimale bedingungen zur resozialisierung da dem täter möglichst alle freiheiten weiter offen stehen | bis auf diese in der die gefahr zu hoch ist das er erneut aggressionen verübt
Genau dann besteht aber wieder das Problem, daß man dann immer ganz schnell bei der Sicherungsverwahrung landet, da ein Wiederholungstäter sonst ja nichts zu befürchten hat. Wobei das zusätzlich noch vom für ihn zuständigen Justizunternehmen abhängt, was wieder zu völliger Willkür führen könnte. Wenn der für die Prognose zuständige Psychologe zu nett ist, kann der Verurteilte beliebig oft neue Straftaten begehen, bis etwas passiert, ist der hingegen zu hart, ist er schon als Jugendlicher für alle Zeiten weg vom Fenster. Und verbindliche Normen, die das oder auch nur die Qualifikation der zuständigen Psychologen regeln, gibt es ja nicht.
in ‘kapitalistischen’ gesellschaften sollte die sanktionierung von ‘kaptialverbrechen’ meiner meinung nach innerhalb eigentumsvereinbarungen geregelt werden |
eine veilversprechende methode währe samtliche durch den ‘dieb’ entstandene verluste einfach vollständig rückerstatten zu lassen |
Das ist ebenfalls ein sehr vernünftiger Ansatz, bei dem man sich fragt, wieso das je anders gemacht wurde. Wobei es sowohl sinnvoll als auch vertretbar wäre, zusätzlich noch eine Strafe in maximal selber Höhe draufzupacken, denn sonst könnte sich der Täter sagen, wenn’s klappt, bin ich reich, wenn nicht, geb ich’s halt zurück und probier es noch einmal.
das hat den vorteil das ein ‘dieb’ in der regel eine gute chance hat für den schaden aufzukommen, und gleichzeitig einen erheblichen grund hat sich zu stellen, da der schaden (ermittlungskosten, produktionsausfälle etc. ) immer höher wird
Die Beteiligung der Täter auch an an den Ermittlungs- bzw. Verfahrenskosten wäre sicher ebenfalls überlegenswert. Aber gerade das wäre eine Neuerung, die anerkannter Regeln bedarf, sonst lassen sich diese Kosten nicht objektiv ermitteln. Das wäre innerhalb einer staatlichen Ordnung wesentlich leichter umzusetzen als bei einer normenlosen Gesellschaft.
auf keinen fall dürfen ‘kapitalverbrechen’ eine legitimation zur gewalt sein |
Sicherlich auch bedenkenswert. Was aber wieder die Frage aufwirft, wer auf welcher Grundlage diese Normen setzt und ihre Einhaltung kontrolliert. Einen Staat haben wir ja nicht mehr. Und eventuell bekommt ein Sicherheitsunternehmen leichter den Zuschlag, wenn es das Versteck der Beute aus den - mutmaßlichen? - Dieben herausprügelt oder sie zu Abschreckungszwecken gleich erschießt.
die höchste sanktion für ein verstoß gegen eingentumsvereinbarungen muss dessen aufkündigung sein, mit dieser wird sämtliches eigentum des ‘diebes’ nichtig, und er wird es schwer haben erneut so eine vereinbarung zu bekommen
Das ginge eventuell schon zu weit. Der Täter sollte nur für den Schaden und im Rahmen der verhängten Strafe haften. Was die Eigentumsvereinbarung angeht, wenn man die aufkündigen kann, stellt sich nicht nur die Frage, von wem man die auf welcher Rechtsgrundlage erhält, sondern auch, wie das mit jenen ist, die sie nicht unterzeichnet haben?
Unterm Strich bleiben anders als bei den Vorschlägen zur militärischen Verteidigung durchaus eine Reihe von guten Ansätzen, die aber im Rahmen einer staatlichen Ordnung genauso gut, wenn nicht besser umzusetzen wären, während jene Ideen, die staatliche Normen und ihre Umsetzung ablehnen, nicht praktikabel wären. Was bleibt, ist ein Plädoyer für einen effizienteren Staat, nicht seine Abschaffung.



Das alles streng durchdacht führt letztlich genau zu so einem System wie es längst existiert.
http://luclog.blogsome.com/2007/11/27/grundsatzliches-zum-wirtschaftsliberalismus/
@ Luclog
Meine Rede! Sicherlich besser organisiert und effizienter als heute, aber eben immer noch ein Staat mit einem Minimum an Zwängen.
Man kann ja immer alles verbessern. Nur ist der plumpe anarchische Weg, ein ganz einfacher Rückschritt. Ein zurück zur Natur und zurück zu den Ursprüngen. Diese Ideen sind gefährlicher als man gemeinhin annimmt. Stichwort ist hier: Rousseau.
http://luclog.blogsome.com/2007/10/29/die-bio-bestie/
Zitat:
“Da kommt man hoffentlich nie über die Stammtische hinaus. Andernfalls sähe ich mich veranlaßt, von meinem Menschenrecht auf Notwehr Gebrauch zu machen und solche Spinner zu pfählen oder andere lustige Dinge mit ihnen zu machen. Vielleicht gibt es ja gute Therapeuten für Leute wie Dominik Hennig. Oder ein paar freundliche Linke aus seinem Landkreis, die so ekelresistent sind, dass sie sich mit ihm mal zu einem netten Plausch über seine geistigen Verwirrungen treffen können.”
Fazit: Das sozial-faschistische Schweinesystem will mir wegen meiner Kritik am Fiskalfaschismus seine SA schicken: http://www.perspektive2010.org/blog/2008/02/21/doppelauszeichnung-fuer-dominik-hennig-gerbrunn/
Werde mir mal lieber eine Knarre besorgen zum Selbstschutz! Oder soll ich warten, bis der Staat kommt?
Was hat die FDP verbrochen, um solche Irre wie DDH zu verdienen?
Möllemann, natürlich. Aber da gab es doch so etwas wie eine Selbstreinigung, wenn auch arg verspätet?
Bevor der Drecksack Möllemann endlich sich aus 600 Metern auf den Acker warf, wie ein Flummiball wieder hochsprang und noch ein, zwei Mal aufdotzte (alles hoffentlich noch bei Bewusstsein), war er doch in den offiziellen Kreisen der FDP bereits unten durch, oder nicht?
Kann man DDH nicht auf irgendeine umweltgerechte Art entsorgen, vielleicht aus ihm einen Briefbeschwerer pressen?
@Silver Surfer
Ist das Ironie? Soll das vielleicht lustig sein?
Man sollte vor dem Tod von Leuten doch deutlich mehr Respekt haben. Außerdem was ist das Problem mit DDH? Ich stimme meist nicht mit ihm überein und halte viele seiner Sätze für gnadenlos überzogen, manchmal sogar für dumm, aber warum sollte man ihn entsorgen? Dieses Vokabular und diese Vorstellungen sollten unter zivilisierten Leuten keinen Platz haben.
Darf ich jetzt auch nicht mehr auf Möllemanns Grab pissen?
@DDH
Ich hoffe echt, dass dies nur dummes, unbedachtes und folgenarmes Wortgeplänkel ist. Beileid zu solchen Reaktionen.
Das mit der Waffe ist vielleicht keine schlechte Idee, um den größenwahnsinnigen Machtträumern (oder eher Gewaltträumern) zu zeigen wer am längeren Hebel sitzt.
@Silver Surfer
Nein.
Vielleicht bist Du ja gerade lustig, nur erschliesst sich dies mir nicht, bin wohl zu konservativ.
@ Silver Surfer
Bitte keine persönlichen Drohungen oder so was! DDH redet zwar viel Unsinn, aber auch als böser Staazi muß ich darauf hinweisen, daß Demokratie unter anderem auch das Recht auf die falsche Meinung beinhaltet. Und dieses Recht sollten wir alle verteidigen statt es einzuschränken. Sonst habe ich am Ende keinen mehr, mit dem ich mich streiten kann. ;-)
@ DDH
“Werde mir mal lieber eine Knarre besorgen zum Selbstschutz! Oder soll ich warten, bis der Staat kommt?”
Ich persönlich würde Dir ja eine Kombination aus beidem empfehlen. Doppelt hält bekanntlich besser. Auf jeden Fall drück ich Dir da bei allen politischen Differenzen die Daumen. So Sprüche sind nicht lustig.
Ich habe zu flüchtig gelesen und dadurch übersehen, dass es zu “DDH” auch einen “3-D-Namen” gibt. Deswegen sorry für “entsorgen” und “Briefbeschwerer”.
Ansonsten würde ich alles genau so noch einmal schreiben.
@ Silver surfer
Ich glaub Dir schon, daß Du das nicht so meinst, aber so was kann man schnell falsch verstehen. Die militante Antifa hat mir auch schon meine “Entsorgung” angekündigt, deswegen kann ich DDH durchaus verstehen, wenn er da nur begrenzt drüber lachen kann. So, und jetzt haben wir uns alle wieder lieb!
Zurück zum Topic - mit David D. Friedman: http://www.daviddfriedman.com/Libertarian/Machinery_of_Freedom/MofF_Chapter_29.html
Angesichts dieser Debatte, wo die libertäre Front ‘dummen’ Staazis wieder einmal erklärt, wie das so abläuft mit der inneren Sicherheit, ein kleines Schmankerl:
Gerne auch in groß.
Tja, da hat wohl jemand den Staat wieder für sich entdeckt. Und: widerspricht ein libertärer Diskussionsteilnehmer? Bis auf eine Person nicht. Und diese scheint nciht libertär zu sein.
Genau so ist es nämlich: Keine Polizei soll es nämlich nur geben, wenn Libertäre von deren Existenz betroffen wären - man selber will von ihnen nicht belästigt werden. Aber den anderen will man sie auf den Hals hetzen!
Haha!
So viel zur ach so durchdachten Theorie +hust+ der Libertären.
@ eindimensional
Das ist es was ich nicht verstehe: Die Libertären wären als isolierte und schlecht organiserte (Halb)pazifisten geradezu prädestiniert, von Terrorregimen und Mörderbanden mit als erste massakriert zu werden. Andererseits würde das erklären, wieso sie konkrete Ideen zur Realisierung ihrer Ideen so vehement zu vermeiden suchen. Würde ich angesichts dieser Perspektiven auch. Da haben NeoCons wie ich es naturgemäß einfacher. ;-)