Aufbaukurs Antiislamismus für Islamophobiker
Die Suche der Islamhasser nach möglichen Verbündeten im Kampf gegen den bombenbauenden oder zumindest krummsäbelschwingenden Muselmanen von nebenan nimmt immer groteskere Züge an. Inzwischen wird selbst der - einst als linker Aktivist vermutlich eher verabscheute - Journalist Günter Wallraff im Lager rechter Islamophoben plötzlich wieder salonfähig, weil man ihn jetzt als Kronzeugen im Kampf gegen den Islam und die Muslime verwenden zu können glaubt. Dabei zeigt er selbst bei einem sensiblen Thema wie dem Kopftuch eine für einen Islamkritiker beeindruckende Toleranz:
Ich selbst bin allerdings nicht für ein generelles Verbot des Kopftuchs im Unterricht für Schülerinnen. [...] Kopftuch ist nicht gleich Kopftuch. Ein staatliches Verbot würde immer auch die Falschen treffen.
Damit nicht genug, differenziert er klar zwischen dem Koran und seiner mitunter perversen Interpretation:
[...] Ja, wenn so junge Mädchen Kopftuch tragen müssen, wird es sehr bedenklich. Dahinter steckt eine bigotte Auslegung des Korans und die Überzeugung, dass das Mädchen für Männer einen sexuellen Reiz darstellt.
Auslegung ist hier das Zauberwort, welches einige unserer Zeitgenossen offenbar nicht im Duden zu finden in der Lage sind. Das bedeutet nämlich nichts anderes, als das man etwas zwar so auslegen kann, aber eben auch so, und wenn das möglich ist, liegt das Problem eben nicht in der auszulegenden Schrift, sondern ganz offenbar im Auge des Betrachters. Damit nicht genug, führt Wallraff all die Geschichten von den drogendealenden, messerstechenden Türstehern, die nur deswegen so viel mit Drogen dealen und Messern stechen, weil Mohammed so ein blöder Arsch war, mit einem Satz ad absurdum:
Von allen Muslimen in Deutschland gehen vielleicht nur rund drei Prozent in die Moschee. Probleme mit der Integration haben wir nicht aufgrund des Islam.
Treffer, versenkt. Womit ihr Idol seinen neuen Fans die wesentliche Geschäftsgrundlage für’s Islambashing entzogen hat. Und er legt nach, indem er sich eben nicht den harmlosen türkischen Gemüsehändler um die Ecke vornimmt, sondern dessen oft fragwürdige, aber nicht notwendigerweise auch repräsentative Funktionäre und deren so dubiose wie reaktionäre Geldgeber:
Tatsächlich gibt es aber im Umgang mit muslimischen Einrichtungen in Deutschland ein großes Problem.
Also, liebe Verteidiger des Abendlandes: Konzentriert Euch endlich auf die radikalen Hintermänner sowie die militanten Handlanger des Dschihad, laßt aber ansonsten Mohammed einen guten Mann sein und die Moschee bitte im Dorf. Und begreift, daß, wenn es Euch wirklich nur um die Bekämpfung von Mißständen und die Befreiung unterdrückter Andersgläubiger geht, gerade Eure islamischen Mitbürger Eure Hauptverbündeten im Kampf gegen den Islamismus sein sollten. Und nicht Eure Feinde.



Woher hat Walraff die 3%? Die Moslems, die ich kenne, gehen alle zum Freitagsgebet und halten den Ramadan auch sehr diszipliniert ein.
Paul, du bist ein unverbesserlicher Idealist ;).
Warum gehen denn jetzt im Sudan tausende auf die Straße und fordern die Todesstrafe, weil eine Frau einen Teddy Mohammed genannt hatte? Proteste gegen das Urteil gibt es nicht.
Hast du schonmal von großen Protesten gegen Bin Laden hierzululande gehört?
@ Paul,
möglicherweise unterscheidet genau das die heutige Situation von der vor zwanzig Jahren. Damals gab es viele türkische Gemüse- und Hülsenfrüchtehändler, wenn nicht um die nächste Ecke, so doch um die übernächste oder noch einige Ecken weiter. Dafür gab es aber kaum “Hintermänner” bzw. Funktionäre. Heute ist die Relation Funktionäre zu Gemüsehändlern wohl eine etwas andere.
Wie viel Prozent der Deutschen gehen wöchentlich in die Kirche aus religiösen Gründen? Trotzdem sind zu Weihnachten und Ostern die Kirchen voll.
Ich denke nicht, dass die Einstellung der Muslime zum Koran sozusagen die Nagelprobe für ein gedeihliches Zusammenleben darstellt, sondern deren Einstellung zu westlichen Eigentumsrechten, Familienrechten, Vertragsrecht bzw. dem gesamten BGB. Da gibt mir denn doch zu denken, dass O. Lafontaine Schnittpunkte nicht nur mit dem Herrn A., sondern mit dem Islam insgesamt sieht. Man sollte sich da nichts vormachen, diese Schnittpunkte sieht der nicht nur aus populistischen und wahltaktischen Gründen. Man kann dem z.B. dem Rene zwar viel vorwerfen, aber nicht das er nur lächerlich ist. Seine Parteinahme, und die anderer, ist durchaus ernst gemeint.
@ Tyrion
Was die 3% angeht, hast Du sicher recht, das erscheint mir persönlich auch fragwürdig. Damit wird es aber nur umso erstaunlicher, daß man gerade ihn als Krozeugen GEGEN den Islam zu verwenden versucht.
Aber auch wer zum Freitagsgebet geht oder den Ramadan einhält, bastelt deswegen noch lange keine Bomben. Und das alleine zeigt schon, daß Islam nicht nur so wie bei den aufgehetzten Massen im islamistischen Sudan denkbar ist, sondern eben auch anders.
Das täte es im übrigen sogar schon, wenn die nichtislamistischen Muslime hier in Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt nur eine Minderheit wären. Und ist zudem ein weiteres Argument für den Regime Change im Sudan.
@ Alibaba
Das zeigt aber nicht, daß der Islam oder der Koran als solcher verboten werden sollte, sondern nur, daß wir uns gegen die Hintermänner endlich mal zur Wehr setzen sollten. Statt also Koransurenexegese zu betreiben, sollten wir uns lieber endlich mal Terrorregimen wie dem Iran oder Saudi-Arabien entschlossen entgegenstellen. Und zwar unter anderem auch, gerade WEIL wir den Moslemen dort helfen wollen.
@ Paul
“Und das alleine zeigt schon, daß Islam nicht nur so wie bei den aufgehetzten Massen im islamistischen Sudan denkbar ist, sondern eben auch anders.”
Beim Teddy-Fall ist wieder erkennbar, dass die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus nicht immer so leicht möglich ist, wie du das nahe legst. Oft wird Islamismus als Bewegung charakterisiert, die ihre POLITISCHEN Ziele religiös unterfüttert, d.h. den Islam in gewissem Sinne missbraucht.
Diese politischen Ziele sind hier aber nicht gegeben, sondern die absurde Strafe leitet sich aus religiösen Überzeugungen ab. Ähnliches ist gegeben bei Steinigungen oder Mädchenbeschneidungen. Warum soll also die Masse “islamistisch” sein und nicht “islamisch”? Weil mit ihren Forderungen schwere Menschenrechtsverletzungen verbunden sind?
Des Problems der fanatisch islamischen Massen müsste sich auch eine neue Regierung im Sudan nach einem Regime Change stellen. Wäre sie islamisch, wird sie es sich mit ihren Glaubensbrüdern nicht verscherzen wollen, wäre sie nicht islamisch - wie lange wird sie bestehen?
@ Chewey
Ich würde den Islamismus schon so einordnen, daß seine politischen Ideen nur die weltliche Ausprägung seines religiösen Weltbilds sind. Aber das ändert ja nichts daran, daß die islamistische Sichtweise nicht die einzig mögliche Interpretation des Koran ist.
Das kann man z.B. sehr gut daran sehen, daß selbst ein Ayatollah Khomeini ;-) sich gegen den Schleierzwang für Frauen aussprechen und das Todesurteil gegen Salman Rushdie mit einer intelligenten und durchaus nicht antireligiösen Begründung ablehnen kann:
http://nbfs.wordpress.com/2006/06/14/lang-lebe-ayatollah-khomeini/
@ Paul
Das stimmt schon alles, aber wann ist dann ein religiöses Weltbild islamisch und wann ist es islamistisch? Gibt es eine Trennlinie, wo liegt sie und wer entscheidet das?
@ Chewey
Da gibt es wie meist in ideologischen Fragen keine klare Grenze. Ich denke, alles, was in der Praxis mit den universellen Menschenrechten vereinbar ist, sollte zulässig sein.
@paul: dann kannst du den Islam aber leider nicht zulassen. Genauso wie fast alle Religionen.
@ Tyrion
Ganz genau. Da es aber Religionsfreiheit gibt, kann man sie schlecht verbieten, sondern nur die negativen Auswirkungen auf die Praxis.
Übrigens, Fitna, der Kurzfilm von Geert Wilders, um den so viel Aufhebens gemacht wird und der von YouTube und vielen Internet-Providern aus Angst zensiert wird, ist derzeit bei LiveLeak online:
http://www.liveleak.com/view?i=7d9_1206624103
Eher was zum Gähnen, finde ich. Erste Hälfte ist von einem Al Qaida-Propagandafilm überhaupt nicht zu unterscheiden. Wenn bin Laden an der Stelle die Augen zufallen, gibts ganz sicher keine Fatwa, sondern eine Belobigung!
Ob das wohl die Absicht von Wilders war?
Im zweiten Teil dann ein paar Gruselbilder von weiblichen Genitalverstümmelungen, die man in den Islamistenvideos nicht sehen würde.
Und wozu die ganze Aufregung?
Von Kunst ist in dem Filmchen sowieso nichts zu erkennen.
Am Gang der Geschichte wird der Streifen nichts mehr ändern können.
Ich sehe auch gerade Fitna. Innerhalb weniger Stunden 1 Millionen Aufrufe!
Natürlich einseitig, nur leider stehen die zitierten Suren wirklich so im Koran. Gut wäre es, wenn Wilders noch dazu geschrieben hätte, wo er die Filmausschnitte her hat(Palästinenser TV) oder offiziellen saudiarabischen Imamen. Das Zerstören des Kreuzes ist im Kosovo aufgenommen worden. Die Hinrichtungen von Schwulen sind Fotos aus dem Iran.
Leider alles die Realität!
Den Koran zu verbieten, schießt über das Ziel hinaus, aber alleine durch die meiner Meinung nach nötige Provokation hat Wilders schon viel erreicht! Das Appeasement mit dem Islam hat vielleicht bald ein Ende!