Kriegsgegner bald allein zu Haus?
Und nach der Roten Heidi ein weiterer hinterhältiger Dolchstoß in den Rücken jenes Teils der Cut&Run-Fraktion, der es für irgendwie links hält, Afghanistan den dort früher herrschenden Steinzeitislamisten auszuliefern, nur weil es die Amerikaner ärgert; diesmal ausgeführt von keinem geringeren als dem Vorzeigegrünen Tom Koenigs, der während eines SPIEGEL-Interviews die Liste der beliebtesten Irakkriegsirrtümer um die der beliebtesten Afghanistankriegsirrtümer ergänzt:
Irrtum 1052: Es macht keinen Sinn, den verlorenen Afghanistankrieg weiterzuführen
Wir dürfen wegen der terroristischen Bedrohung nicht einknicken. Das wäre für die Afghanen und für die Helfer, die dort weiter arbeiten wollen, das Falscheste, was man machen kann. Man muss sich der Herausforderung stellen und energisch Kurs halten. Anders wird man der Lage nicht Herr.
Irrtum 1053: Die Afghanen wollen, daß die westlichen Besatzer abziehen
Und man darf nicht vergessen: Die Afghanen haben uns gebeten, sie zu unterstützen. Die leiden ja am meisten unter dem Terror der Taliban. [...] Die meisten Afghanen wollen nicht weniger, sondern mehr westliche Truppen im Land haben, um die Sicherheit zu verbessern.
Irrtum 1054: Vor allem die Angloamerikaner richten mehr Schaden als Nutzen an
Die Amerikaner haben bereits mehr Truppen beigebracht. Auch die Engländer haben mehr Truppen gestellt. Und es gibt einen starken Druck auf andere Länder.
Irrtum 1055: Die NATO-Staaten kämpfen gegen einen Aufstand des afghanischen Volkes
[...] Die internationalen Kräfte müssen so lange bleiben und das Land stabil halten, bis die nationalen Kräfte stark genug sind, den Aufstand zu besiegen. Internationales Militär schlägt keinen nationalen Aufstand nieder. Das ist die Aufgabe der afghanischen Armee.
Irrtum 1056: Die Taliban haben die afghanische Bevölkerung hinter sich
Die Taliban sind unpopulär, auch im Süden des Landes.
Irrtum 1057: Ein Abzug der NATO würde die Lage des Westens verbessern
[...] Umgekehrt würde ein reduziertes Engagement sofort von den Taliban und auch von der internationalen militanten islamistischen Bewegung als Schwächeln wahrgenommen und propagandistisch entsprechend ausgebeutet.
Irrtum 1058: Die Abzugsdiskussion in Deutschland hat keine Auswirkungen auf die Aktionen der Taliban
Die Aktionen der Taliban zielen immer sehr genau auf europäische Parlamente und die jeweilige politische Situation in den Herkunftsländern der Isaf-Truppen. [...] Wenn man sich die Internetseiten der Taliban ansieht, merkt man, dass die sehr genau zur Kenntnis nehmen, was bei uns politisch diskutiert wird. Alles, was als Schwäche gedeutet werden kann, ist Wasser auf die Mühlen derer, die Afghanistan wieder unter die Knute des militanten Islam haben wollen.
Irrtum 1059: Ein massiveres Vorgehen gegen die Taliban wäre nur kontraproduktiv
[...] Aber dass sich die Internationale Gemeinschaft jetzt noch mal stärker engagiert, ist etwas, womit die Taliban sicher nicht gerechnet haben, als sie diesen massiven Aufstand vor einem Jahr begonnen haben. Auch nicht, dass Afghanistans Unterstützung - die militärische und zivile - im amerikanischen Kongress jetzt eine fast einstimmige Zustimmung findet.
Irrtum 1060: Der Aufstand der Taliban ist ein legitimer Kampf gegen die Besatzung
Das Recht zum Aufstand gegen eine demokratisch gewählte Regierung kann ich schwer sehen. Ich weiß nicht, aus welchen Normen sich das herleiten sollte. Dazu kommt, dass die Taliban eine äußerst brutale Bewegung sind, die klassisches Kriegsrecht mit Füßen treten. Schon die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten wird nicht gemacht.
Irrtum 1061: Die Strategie der Amerikaner ist besonders schlecht und verwerflich
Die Amerikaner haben keine gesonderte Militärstrategie.
Irrtum 1062: Ein Krieg, der zivile Opfer nicht völlig vermeiden kann, ist kein gerechter Krieg
[...] Ich finde es sehr positiv, dass sowohl die Isaf als auch Operation Enduring Freedom unsere Hinweise ernst nehmen. Sie wissen, dass zivile Opfer nicht nur eine humanitäre Katastrophe bedeuten, sondern sofort von der Gegenseite propagandistisch ausgenutzt werden. Das schwächt uns moralisch. Allerdings wird man zivile Opfer im Krieg nie ganz vermeiden können.
Irrtum 1063: Es gibt keine Fortschritte in Afghanistan, und es dauert eh schon zu lang
Man kann nicht erwarten, dass ein Land nach 30 Jahren im Bürgerkrieg innerhalb von fünf Jahren alle Probleme löst. Als ich vor anderthalb Jahren nach Afghanistan kam, schienen die Warlords das Hauptproblem zu sein. Davon hört man jetzt kaum noch etwas.
Irrtum 1064: Der Westen sollte im Interesse der Afghanen endlich abziehen
[...] Wer jetzt abziehen will, lässt das afghanische Volk im Stich und liefert sie einer furchtbar brutalen Bewegung aus.



[...] US-Rambos auch den Segen der politischen Klasse in Deutschland haben), da weiter, wo Tom Koenigs im Lexikon der beliebtesten Afghanistankriegsirrtümer letztes Jahr aufgehört [...]