Studie: Am friedlichsten lebt es sich weltweit in Norwegen

Norwegen ist einer Studie zufolge das friedlichste Land der Welt - der Irak rangiert auf dem letzten Platz. Deutschland liegt auf Position zwölf der Liste.

Na, da hat der SPIEGEL aber nun wirklich die dümmste “Studie” aufgetrieben, die seit den Lancet-Phantasiezahlen zu den Opfern des Irakkriegs und Amnesty Internationals Propagandapamphlet über den “größten GULag unserer Zeit” auf dem freien Markt der Desinformation zu haben war. Vielleicht sollten die Redakteure das nächste Mal wenigstens flüchtig drüberschauen, bevor sie so ein Machwerk anpreisen und vielleicht das eine oder andere der Länder auch bereisen.

Denn wie hier willkürlich Zahlen zusammengemischt bzw. aussortiert werden, ist geeignet, die Reputation des britischen “Economist” nachhaltig zu beschädigen. So rechnet man beim Militär beispielsweise nur die aktiven Truppen mit und blendet die Reserven aus, was Demokratien mit ihren aktiven Berufsarmeen gegenüber voll durchmilitarisierten Diktaturen, die sich oft auf Massenheere und totale Mobilisierung verlassen, in wesentlich schlechterem Licht dastehen läßt.

Dabei ist schon die Grundidee, daß es umso friedlicher zugeht, je weniger Leute eine Waffe tragen, zumindest fragwürdig. In der Virginia Tech beispielsweise war das nur einer und genau deswegen gab es so viele Opfer. Es kommt eben vor allem darauf an wer eine Waffe trägt und was er damit anstellt. In liberalen Demokratien lebt man jedenfalls auch mit einer großen Armee immer noch weit friedlicher als mit den vergleichsweise kleinen Prätorianergarden autoritärer Operettendiktaturen.

Zudem wird der Hauptgrund dafür, daß Demokratien überhaupt nennenswerte Streitkräfte unterhalten, verschwiegen: Nämlich der Schutz vor aggressiven Diktaturen. Das heißt, wenn eine Land gezwungen wird, sich gegen ein weniger friedlichen Nachbarn zu verteidigen, wird dies von den für diese Studie verantwortlichen Witzbolden nicht nur nicht dem Aggressor zugeschlagen, sondern sogar noch als Beweis für die kriegerischen Neigungen seines potentiellen Opfers gewertet.

Bei der Bewertung der Menschenrechtssituation in den einzelnen Ländern bedient sich die Studie hingegen gleich ganz offen des grotesk verzerrten Jahresberichts von Amnesty International, so daß man angesichts dessen berüchtigter Einseitigkeit kaum überrascht ist, daß die USA allen Ernstes mit Ländern wie dem Iran oder Saudi-Arabien auf einer Stufe (der dritten von fünf möglichen wohlgemerkt) stehen, die man an folgenden typischen Merkmalen erkennen kann:

Level 3 Imprisonment for political activity is more extensive. Politically-motivated executions or other political murders and brutality are common. Unlimited detention, with or without a trial, for political views is also commonplace;

Als Amerikaner hat man es demnach schon ganz schön schwer. Kaum sagt man, daß Bush ein Arsch ist, läuft man große Gefahr, auf unbestimmte Zeit eingesperrt oder gar an die Wand gestellt zu werden. Weswegen ja auch die Chefredaktion der New York Times am Baukran aufgehängt wurde und Barrack Obama derzeit auf seinen Hinrichtungstermin wartet. Und dabei haben die meisten Amerikaner noch Glück, denn im Terrorstaat Israel ist die Lage noch weit ernster:

Level 4 The practices of level 3 affect a larger portion of the population and murders, disappearances, and torture are a common part of life. In spite of its pervasiveness, on this level political terror affects those who interest themselves in politics;

Da scheinen die Macher der Studie wohl das Chaos der Palästinenser, die sich zur Zeit gegenseitig an die Gurgel gehen, einfach mal schnell den bösen Zionisten zuzuschlagen, statt sie als Palästina getrennt aufzuführen. Nicht daß am Ende jemand auf die Idee kommt, daß unsere Lieblingsaraber, die ja in Gaza die Kompetenz ihres latent friedensnobelpreisverdächtigen Kabinetts bereits unter Beweis stellen durften, vielleicht doch auch ein paar kleinere Fehler machen.

Seltsam nur, daß die Palästinenser ansonsten bei jeder Gelegenheit als eigenes Volk mit einer völkerrechtlich anerkannten und somit verantwortlichen Regierung dargestellt werden und sogar mit einer halboffiziellen Grenze entlang der grünen Linie auf den meisten Landkarten vertreten sind (mit Ausnahme der palästinensischen Schulbücher, wo es gerade Israel ist, das komplett fehlt). Aber sie sind nicht die einzigen, die spurlos aus der Studie verschwunden sind.

Denn wer sich voller Neugier fragt, wo auf der Liste denn beispielsweise das Horrorregime Kim Jong Ils oder der kongolesische Albtraum zu finden ist, nun, manche Länder wurden wohlweislich komplett ausgeblendet um das gewünschte Ergebnis nicht zu verfälschen. Nicht daß der große und der kleine Satan zu gut dastehen. Wer also so schlimm ist, daß selbst Amnesty International es nicht mehr leugnen kann, wird einfach ignoriert. So geht’s natürlich auch.

~ von Paul13 am Donnerstag, 31. Mai 2007.

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