BLS statt BGE!
Bei den Kollegen von B.L.O.G gab es vor kurzem eine interessante Diskussion zum zwar nicht sonderlich publikumswirksamen, dafür aber umso wichtigeren Thema eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nun wird selbiges genau wie das “jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” der Marxisten oder auch das “habt Euch alle lieb” der Christen natürlich erbarmungslos scheitern, und zwar wie diese schlicht und einfach an der Tatsache, daß der real existierende Mensch nun mal nicht so gut ist, wie er zur Verwirklichung dieser hehren Ziele sein müßte.
Was hingegen durchaus funktionieren könnte, wäre das Koppeln besagten Grundeinkommens an eine einzige Bedingung, nämlich daran, daß man dafür arbeiten muß, also sozusagen eine Art von bedingungsloser Lohnsubvention. Diese wäre nicht nur finanzierbar, sie würde auch die Gruppe jener, die ausschließlich von ihr leben müssen, eher verkleinern statt vergrößern, weil sie jenes erprobte und der menschlichen Natur entgegenkommende Anreizsystem unangetastet läßt, welches den marktwirtschaftlich orientierten Kapitalismus im Gegensatz zu seiner Konkurrenz so schön brummen läßt.
Arbeit würde durch flächendeckende Lohnsubventionen gerade bei einfachen, lohnintensiven Tätigkeiten spottbillig werden und damit vor allem für jene wieder verfügbar, die unsere Gesellschaft inzwischen als bildungsfernes Prekariat mehr oder weniger offen abgeschrieben zu haben scheint. Und das sind eben nicht die gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplatzbesitzer, sondern all die niedrigqualifizierten Arbeitslosen, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich erfahren müssen, daß es aller Voraussicht nach bis an ihr Lebensende keine weitere Verwendung mehr für sie und ihre Arbeitskraft geben wird.
Das ist für sie zu Recht nicht ganz einsichtig, denn Arbeit, gerade im Dienstleistungsbereich, wäre ja durchaus in Hülle und Fülle vorhanden. Es kann sie halt nur niemand mehr bezahlen. Mit Hilfe eines steuerfinanzierten und zur Lohnsubventionierung genutzten Grundeinkommens ließe sich aber nicht nur ein alter Traum der Linken, das Recht auf Arbeit, umsetzen, und de facto sogar ein Mindestlohn einführen, sondern gleichzeitig liberalen Forderungen nach mehr staatlicher Effizienz entgegenkommen und den Kapitalismus von den unnötigen Hemmnissen einer ausufernden Bürokratie befreien.
Nichts desto weniger ist die Diskussion bei B.L.O.G. nicht nur rein akadamischer Natur, denn auch für Anhänger der bedingungslosen Lohnsubvention stellt sich die Frage: Wie würden eigentlich die Resourcen verteilt, wenn am Tag X das Schlaraffenland ausbricht? Und, fast noch wichtiger, wieviel davon würde derjenige hochqualifizierte Spezialist erhalten, der am Tag X - 1 als letzter den großen roten Knopf drückt, um das Schlaraffenland in Betrieb zu nehmen? Sind diese Fragen geklärt, ergeben sich die übrigen Antworten fast von selbst. Daß wir sie finden müssen, zeigen dabei solche Meldungen:
Die Zahl der in Armut lebenden Kinder ist erneut gestiegen. 2006 lebten knapp 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Familien - ein Zuwachs von zehn Prozent, hat das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung errechnet.



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