Irak-Konferenz: Lackmustest für Bushs Friedenswillen
Seit einiger Zeit mehren sich die Stimmen, die Verhandlungen mit dem Iran über die Lage im Irak fordern. Bei SPIEGEL online tut sich hier besonders Gerhard Spörl hervor, der anläßlich der irakischen Einladung an die Nachbarstaaten, in einer Konferenz über die Stabilisierung des eigenen Landes zu sprechen, von einer “Wende”, ja einem “historischen Ereignis” fabuliert, von einer “guten Idee”, für die es “auch Zeit” wurde (was seine Redaktionskollegen natürlich bei Bedarf selbstverständlich nicht daran hindern wird, das Versagen der US-Diplomatie anzuprangern, wenn sie merken, daß die weiche Welle doch nichts gebracht hat).
Dumm nur, daß die USA auch nach der Machtergreifung Khomeinis immer wieder mit Teheran geredet und den Mullahs sogar diverse Zugeständnisse gemacht haben, mit dem Ergebnis, daß die inzwischen glauben, selbst dann ungestraft davonzukommen, wenn sie den Terroristen offen die Waffen liefern, mit denen diese dann Israelis und Amerikaner umbringen. Michael Ledeen übertreibt daher nicht, wenn er von einem “negotiations hoax” spricht, weil es den geforderten Dialog nicht nur schon immer gab, sondern dieser auch Folgen zeitigte, die noch mehr am Verstand der Appeasement-Fraktion zweifeln lassen, als das ohnehin schon naheliegt:
Those who still dream of the grand bargain-including those in the G.W. Bush administration who have pursued it avidly, and have gotten kicked in the same place as the Clinton pursuers-must explain to us simple souls why there is anything different today that might make a bargain with the Iranians more likely than it has been for the last 28 years. Certainly the Iranians have shown no desire for reconciliation; quite the contrary, unless you think killing Americans at a rate considerably faster than the tempo of murder in the Clinton years represents some odd form of mating dance.
Ergebnisse erzielt man eher durch das Gegenteil. Das Zusammenziehen von US-Flugzeugträgern im Persischen Golf, das entschlossene Vorgehen gegen iranische Agenten im Irak, die zunehmenden Angriffe auf regimetreue Truppen zuhause im Iran und das Verschwinden eines hochrangigen Offiziers in Istanbul machen weit mehr Eindruck auf die Mullahs als die bis an die Grenze der Peinlichkeit idiotische Hoffnung, sie hätten ein wie auch immer geartetes Interesse an einer funktionierenden Demokratie in ihrer Nachbarschaft, die ihre eigene Herrschaft durch das bloße Vorhandensein jeden Tag aufs neue und für alle sichtbar delegitimiert.
Doch Spörl ignoriert die heilsame Wirkung von Druck auf Schurkenstaaten und freut sich wie Bolle angesichts der Vorstellung, daß die USA mit einem Terrorregime auf Augenhöhe verhandeln müssen (was zudem den Vorteil hat, daß man ihnen genau das später wiederum als Beweis für ihre Kungelei mit fragwürdigen Diktatoren vorwerfen kann). Vielleicht sollte er sich aber mal fragen, wieso jene Medien, die vor Jahresfrist noch tönten, daß es keine militärischen Optionen gegenüber dem Iran gäbe, immer häufiger vor einem drohenden US-Angriff auf den Iran warnen. Es tut sich was im Nahen Osten? Stimmt. Aber eventuell anders, als er denkt.



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