Aus dem Kü(l)bel geschöpft
Vor kurzem erschien in “Lizas Welt” ein lesenswerter Verriß eines Interviews, das ein gewisser Jürgen Cain Külbel, einst zu DDR-Zeiten “Fahnder, Ermittler und Vernehmer in Strafsachen mit unbekanntem Täter und in Mordsachen” sowie Karatekämpfer, dem einschlägig bekannten Muslimmarkt gegeben hatte, wobei Liza auch einige unappetitliche Details eines Offenen Briefs, den der verdiente Kämpfer gegen den Imperialismus pünktlich zu Castro’s Geburtstag an den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, gerichtet hatte, ans Tageslicht zerrte.
Külbel schrieb Liza daraufhin einen Brief, der eindeutig darauf schließen läßt, daß da jemand auch 15 Jahre nach dem Zusammenbruch seines früheren Brötchengebers ganz offenkundig immer noch ernste Schwierigkeiten damit hat, sich in der verwirrenden Freiheit des glitzernden Westens zurechtzufinden. Im Bemühen um die Integration ehemaliger Mitarbeiter des DDR-Sicherheitsaparats will ich aber gerne versuchen, ihm dabei zu helfen, seine Probleme in den Griff zu kriegen, und ihm zu diesem Zweck noch ein paar Anmerkungen zu seinem Brief an Liza mit auf den Weg geben:
Sehr geehrte Frau Liza,
Nicht ganz so geehrter Herr Külbel!
auf diesem Weg darf ich Ihnen anzeigen, daß Ihr Text meine Persönlichkeitsrechte verletzt.
Nanana, wer die Politiker demokratischer Staaten wie der USA oder Israels so beleidigt, wie Sie das zu tun pflegen, ist wohl kaum in der Position, sich qualifiziert über die Verletzung irgendwelcher Persönlichkeitsrechte auszulassen. Im übrigen gilt: Wer austeilt, muß auch einstecken können. Müßten Sie als Karatekämpfer doch eigentlich wissen. Was soll denn Bruce Lee von Ihnen denken, wenn Sie hier die Sissi machen und zu heulen anfangen, nur weil Ihnen mal jemand ein Widerwort gibt? Ein bißchen mehr Haltung, bitteschön! Sie sind doch ein ganzer Kerl, oder etwa nicht?
Ich muß es nicht dulden, dass Sie mich, der journalistische Tagesberichterstattung macht, wie unten zitiert beschreiben und abstempeln
Und ob Sie das müssen! Das nennt man Pressefreiheit. Abstempeln und beschreiben geht hier bei uns sogar ganz unabhängig von der Berufsbezeichnung. Sie dürfen das ja auch, obwohl Sie einem die Argumentation zugunsten besagter Pressefreiheit nun wirklich nicht gerade einfach machen. Demokratie beinhaltet zwar unter anderem das Recht auf Unsinn, aber eben auch gleichzeitig das Recht, selbigen beim Namen zu nennen und zu kritisieren. Es wäre nett, wenn sie das begreifen könnten. Die DDR ist Geschichte, und der Sozialismus hat verloren. Nehmen Sie’s wie ein Mann, ok? Und sehen Sie’s positiv, dafür darf man hier auch dann “journalistische Tagesberichterstattung” machen, wenn man gar nicht schreiben kann.
und zudem in die Nähe von “Judenhassern’”, wie Sie sich im Text ausdrücken, stellen wollen.
In die Nähe von Judenhassern stellen Sie sich selbst, da muß niemand mehr nachhelfen. Oder hat sie irgendjemand mit vorgehaltener Waffe gezwungen, in Ihrem Brief an Salomon Korn die Schoah in bester Revisionistenmanier mit den Worten “darunter eben auch 5 Millionen Juden - ein Zehntel aller Toten” zu relativieren und später ungeniert von “Holocaust-Bonus” und dem Einfluß des Zentralrats der Juden “auf deutsche Politik und Medien” zu schwadronieren? Auch besteht meines Wissen keine gesetzliche Auskunftspflicht gegenüber Internetseiten, die zum Boykott Israels aufrufen und dessen Existenzberechtigung als “Pseudostaat” in Frage stellen. Wenn Sie aus freien Stücken die Entscheidung treffen, das trotzdem zu tun, dürfen Sie sich hinterher nicht beklagen, wenn Sie jemand daran erinnert.
Ihnen steht es auch nicht zu, mein Seelenleben in Bezug auf irgendwelche Opfer zu analysieren und Ihre privaten Schlußfolgerungen zu publizieren.
Doch, steht es. Jeder kann Sie analysieren und anschließend die ganze Welt wissen lassen, was er von Ihnen hält. Er kann dabei sogar zu falschen Schlußfolgerungen kommen und Sie haben es trotzdem einfach hinzunehmen. Denn umgekehrt können Sie das schließlich genauso handhaben (und Sie machen ja auch wahrlich regen Gebrauch davon). Nur sind halt die Zeiten, wo NUR Sie und Ihresgleichen das durften und wir nicht, ein für allemal vorbei. Wobei mir Ihre Reaktion auf Lizas Artikel noch mal deutlich zeigt, daß wir verdammtes Glück gehabt haben, daß Leute wie Sie uns nur noch als Urheber fragwürdiger politischer Ergüsse gegenübersitzen und nicht als Vernehmer mit Karatekenntnissen.
Ich fordere Sie daher auf, sich mir gegenüber und zu meinen Händen (Email genügt) zu verpflichten, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu bestimmenden Vertragsstrafe, die ggf. vom zuständigen Landgericht zu überprüfen ist, zu unterlassen, in Bezug auf mich, Jürgen Cain Külbel, zu veröffentlichen und/oder zu verbreiten und/oder veröffentlichen und/oder verbreiten zu lassen:
“Nasrallahs deutsche Freunde - heißen sie nun Jürgen Cain Külbel oder Deutscher Friedensrat e.V. - wird das wenig scheren. Empathie für die Opfer des islamistischen Terrors kennen sie nicht. Nicht am 11. September und nicht an einem anderen Tag. Ganz im Gegenteil.”
Wegen der Eindeutigkeit der Sach- und Rechtslage sehe ich Ihrer schriftlichen (Email-) Erklärung bis morgen, Freitag, 15.9.2006, 14 Uhr entgegen. Wir versuchen es vorerst auf diesem Wege. Ansonsten erhalten Sie ein Schreiben von meinem Anwalt.
Sehr interessant. Fast so interessant wie die Antwort auf die Frage, was die Anwälte der Herren Bush, Bolton und Olmert sowie Frau Rice dazu sagen würden, daß man über ihre Mandanten Beleidigungen wie “Verbrecher und dreiste Lügner” bzw. “Schlächter” veröffentlicht und/oder verbreitet und/oder veröffentlichen und/oder verbreiten läßt. Wenn Sie darauf bestehen, bin ich aber gerne bereit, Ihr Schreiben zur Klärung dieses Sachverhalts an die Botschaften der betreffenden Staaten weiterzuleiten. Vielleicht können deren Rechtsabteilungen uns ja helfen, es herausfinden. Was meinen Sie, wär das was?
Mit freundlichen Grüßen
Na, das wollen wir mal lieber bleiben lassen.
Ihr zionistischer Klassenfeind
Paul13



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