Post vom Don
Wie es scheint, bin ich mit meinem Artikel zu den braunstichigen Umtrieben in der Kommentarsektion des Rebellmarkts jemandem gehörig auf die Füße getreten. Gestern abend fand ich in meiner Mailbox unter dem Betreff “Vorsicht Troll” nämlich folgendes Schreiben von Don Alphonso himself:
Ich kann langsam nur raten, hier mal das Fass zuzumachen und die Kommentare ab Freiheitsverherrlichende Libertäre zu löschen, sonst spielen wir alle und andere ab morgen früh ein ernstes Spiel, das Dir andere einbrocken, Paul. Es ist kein Geheimnis, dass ich anything but Christ bin, jetzt seit 8 Jahren im jüdischen Journalismus unterwegs und vergleichsweise in der Gemeide ein Hardliner bin, insofern würde bei mir keiner mit Nazi-Hartzler besonders weit kommen, wedere bei Frau Knobnloch noch bei der Einstweiuligen, und der Streitwert liegt bei sowas schnell bei 200.000 Euro. Im Ernst, ich habe langsam die Schnauze voll von den diversen Trollereien gewisser Leute aus Eurem Umfeld, die das Ganze zur Detonation bringen wollen. Und wenn ich es nicht mache, dann tut es eben jemand anderes: Die Mail, die da verwendet wurde, gehört einer extrem israelkritischen Journalistin Sabine Matthes, die ich nicht wirklich mag, und deren Beiträge ich im Aufbau abgelehnt habe - aber die wird auch ganz sicher keinen Spass bei solchen Spielchen haben.
Kurz, da reitet Dich einer in die Scheisse - check mal die IP. Mutmasslich someone you call a friend. Jemand, der sich auskennt, so schnell kommt man nicht auf die Dame. Ein Antideutscher mutmasslich, die haben sie schon länger auf dem Kieker, so ab Winter 2004 wegen ein paar Artikeln in evangelischen Blättchen. Bei uns macht das keiner.
Die stehen wenigstens zu dem, was sie tun.schöne Grüsse
Don
Da der Tonfall zwar, wie - nach seinen Kommentaren in NBFS und angesichts der wohlwollend ausgedrückt doch eher mäßigen Schreibe auf seinem Blog, dessen ohnehin schon spärliche Höhepunkte meist aus der Feder seiner ihm devot zujubelnden Jünger stammen - nicht anders zu erwarten, völlig daneben war (wahrscheinlich hatte Klein-Alfons bei der rasanten D-Zug-Fahrt durch seine Kinderstube nicht genügend Zeit, das nötige Mindestmaß an Manieren aufzunehmen), er in der Sache aber möglicherweise nicht unrecht hatte, antwortete ich ihm mit folgender Mail, die ihm bezüglich seines mangelhaften Umgangstons den Kopf ein wenig zurechtrückte, ihm aber zugleich zusagte, die betreffenden Kommentare zu löschen, wenn sich seine Anschuldigungen als korrekt herausstellen sollten:
Also einfach nur weil jemand mir das befiehlt, werde ich da gewiß nichts löschen, schon gar nicht bei so einem erpresserischen Tonfall. Ich werde auch nichts löschen, weil Du der oder der bist (wer sagt Dir daß ich Christ bin und was hätte das überhaupt mit der Sache zu tun?) und den oder den kennst. Wenn ich da was löschen sollte, dann wenn Du dafür gute Gründe vorbringen kannst, und sonst gar nicht. Das nur mal, damit die Verhältnisse zwischen uns klar sind.
Falls sich das aber in der Sache so verhält wie Du sagst (ich fand diese Mails zugegeben von Anfang an etwas seltsam, vor allem wegen der abgedreht-roboterhaften Hartzler-Herre-Floskel, und ich persönlich hatte ehrlich gesagt im ersten Moment jemand anders - keinen Antideutschen übrigens und ganz gewiß niemand aus meinem Umfeld - in Verdacht, so daß ich ein wenig überrascht war, daß eine mir bis dato unbekannte Sabine Matthes dahinterzustecken schien), hast Du in diesem Fall möglicherweise tatsächlich gute Gründe, und die bin ich immer bereit zu respektieren.
Da das, was Du hier schilderst, also durchaus glaubwürdig klingt, und ich für unschöne Scherze wie geklaute Website-Namen oder E-Mail-Adressen als selbst schon Betroffener nicht das geringste Verständnis habe, werde ich die betreffenden Einträge selbstverständlich löschen und der/dem Verantwortlichen auch noch ein paar deutliche Worte mit auf den Weg geben. Bedingung ist im Zeitalter fairer Verhandlungen aber, daß mir besagte Sabine Matthes bestätigt, daß sich das auch tatsächlich so verhält (weswegen ich sie hier auch ins CC nehme und erst mal ihre Antwort abwarte), wogegen Du sicher nichts einzuwenden hast.
Was lernen wir daraus? Wenn man argumentiert - ruhig auch zynisch, polemisch, und sogar falsch! - statt jedesmal, wenn es einer wagt, unbotmäßige Kritik am grandiosen eigenen Genie zu üben, gleich mit Anwälten und sonstigen Drohungen zu kommen (wenn ich jeden verklagen würde, der mich bei NBFS beleidigt, hätte ich vermutlich ausgesorgt), erreicht man nicht nur mehr, man kann auch den zwiespältigen Eindruck vermeiden, ein etwas gespaltenes Verhältnis zur Meinungsfreiheit zu haben.
Im übrigen hoffe ich, daß Du mit “Faß zumachen” nicht meinst, daß ich Dein Blog nicht mehr kritisieren werde, wenn mir danach ist (und je unfreundlicher man mir kommt, desto schneller ist mir wieder danach, sympathische Leute hingegen hab ich mir noch nie vorgenommen). Dann müßte ich Dich nämlich enttäuschen. Dein Blog ist wie jedes andere auch eine legitime Zielscheibe für meinen Spott. Es steht Dir ja umgekehrt auch zu, wobei ich anders als die meisten nicht nur austeilen, sondern auch einstecken kann und nicht bei jedem bösen Wort zu heulen anfange.
P.S.: Die IP kommt immer aus demselben Subnetz, aber was sagt mir als relativem Weblaien das?
Damit hätten eigentlich alle glücklich sein können: Don Alphonso, weil er in Sachen Benimm was für’s Leben gelernt hat, was ihm im Umgang mit seinen Mitmenschen eines Tages noch sehr nützlich sein kann; Sabine Matthes, deren Recht auf Verfügungsgewalt über ihre eigene eMail-Adresse ich gegen seinen von erschreckend weit fortgeschrittenem Grö… - äh, ich meine gesundem Selbstbewußtsein zeugenden Anspruch verteidigen konnte, selbige auch ohne Rücksprache mit der Betroffenen treuhänderisch für diese verwalten zu dürfen; und auch ich, der ich nicht nur ein Riesenspaß hatte (der Don ist so süß, wenn er wütend wird, so, so - männlich… ;-), sondern auch einen dermaßen erstaunlichen Trafficzuwachs, daß ich mich frage, wieso ich mich nicht schon früher auf den Rebellmarkt gestürzt habe, statt meine Zeit mit irgendwelchen Kewils oder Ivans zu verplempern.
Doch irgendwie wußte der Don mein Entgegenkommen nicht richtig zu würdigen, denn statt einer Antwort gab es eine halbe Stunde später einen Kommentar bei NBFS von jemandem, den ich dort noch nie gesehen hatte und der mich fragte, ob ich es “drauf ankommen lassen” wolle. Zwar geht das Gerücht, daß es sich bei der hinterlegten eMail-Adresse um den legendären Nixxon handelt, aber erstens besaß dieser anders als der Don bei aller Pöbelei immer einen gewissen, wenn auch zugegeben etwas schrägen Sinn für Humor (seine Beleidigungen waren zwar immer noch Beleidigungen, aber als solche mitunter so lustig, daß ich schon das eine oder andere Mal schallend drüber gelacht habe, weswegen ich auch einer der wenigen war, die das Verschwinden seines Blogs in gewisser Weise sogar bedauert haben), und zweitens gehe ich aufgrund der seltsamen zeitlichen Koinzidenz davon aus, daß dieser Kommentar vom Don nicht nur autorisiert, sondern höchstselbst abgeschickt wurde.
Dies wirft die Frage nach Don Alphonsos Motiven auf. Man stellt sich halt doch die Frage “Was will der fremde Onkel von mir?” Glaubt er tatsächlich, daß niemand das Recht hat, sein Blog genauso hart ranzunehmen, wie er das mit anderen tut, und daß er jeden, der das trotzdem wagt, deswegen vor irgendeinem Gericht der Welt außerhalb von Nordkorea deswegen verurteilen lassen kann? Oder hat er sich vorm Badezimmerspiegel selbst zum Kaiser des Internet gekrönt und kraft eigener Arroganz beschlossen, daß er den Bloggerkollegen ab jetzt befehlen darf, wie sie mit den eMail-Adressen dritter umzugehen haben? Auch wenn es Don Alphonso ganz offenkundig kaum erträglich ist, aber über die Email-Adresse von Sabine Matthes verfügt nur einer, und das ist Sabine Matthes selbst. Soweit, daß jetzt jeder, der einen Anruf vom Meister bekommt, verpflichtet ist, sofort jeden Kommentar von ihr - oder wem auch immer - widerspruchslos und ohne Rücksprache mit dem Eigentümer der Adresse zu löschen, sind wir dann glücklicherweise doch noch nicht.
Deswegen, lieber Don, erklär ich Dir das mit den Bienchen und den Blümchen noch mal ganz langsam zum mitschreiben: Du hast Deine eMail-Adresse, Sabine Matthes hat ihre und ich hab meine. Du darfst mit Deiner machen, was Du willst, ohne daß Dir da jemand reinreden darf, Sabine darf das mit ihrer und bei mir verhält sich’s genauso. Wenn einer Deine Adresse mißbraucht und Du mir das mitteilst, kannst Du meiner uneingeschränkten Kooperation sicher sein. Mit Sabines Adresse hingegen geht das nicht, deswegen hat sie ja eine eigene, und mit der darf das dann eben nur Sabine, so bitter das auch für Dich persönlich sein mag. Und bei meiner Wenigkeit verhält sich das nicht anders, ich möchte ja auch nicht, daß irgendjemand außer mir diesbezügliche Anweisungen erteilt. Du magst das bedauerlich finden, weil Deine Anwälte Dir, wenn ich das recht verstanden habe, 200.000 Euro versprochen haben, wenn Du gegen diese Ungerechtigkeit klagst, aber so ist das nun mal mit dem Internet.
Also nimm die Kaiserkrone wieder ab, atme tief durch und iß vielleicht mal ein Stückchen Schokolade. Dann sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus.
P.S.: Kann mir jetzt mal irgendjemand endlich erklären, was es mit diesem seltsamen Begriff “Hartzler” auf sich hat, über den sich hier alle so aufregen? Ich nehme mal an, es geht hier nur im übertragenen Sinne um Käse.
P.P.S.: @ Freiheitsverherrlichende Libertäre: Falls Sabine Matthes bestätigen sollte, daß an den Vorwürfen des Don was dran ist, und Du ganz unfreiheitsverherrlichend und unlibertär zu den Eigentumsrechten anderer ein - sagen wir - entspanntes Verhältnis hast, solltest Du Dir schon mal eine gute Erklärung zurechtlegen. Denn auch, wenn er zugegeben viel redet, wenn der Tag lang ist - und die Tage sind derzeit verdammt lang! -, hat sogar der Don recht, wenn er denn schon mal recht hat. Du hast sicher auch Verständnis, daß ich Deine IP-Adresse in diesem Fall an Sabine Matthes (nein, Don, Dich geht sie zunächst mal NICHTS an) weitergeben werde, wenn sie dies wünscht.
Deswegen noch mal an alle: Wenn ich mitkriegen sollte, daß hier jemand bei den Kommentaren eMail-Adressen oder auch Websiten klaut, ist das mindeste, was passiert, ein Druck auf die Entf-Taste. Und für verwaltungstechnisch bedingte Kollateralschäden an korrekt abgesendeten Kommentaren wird dann keinerlei Haftung übernommen. Der Rechtsweg ist selbstverständlich ausgeschlossen. Denn wenn ich auch nicht der Kaiser des Internet bin, so bin ich doch bei No Blood For Sauerkraut! der uneingeschränkte Autokrator. Nur damit das klar ist!



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