Rede zur Irak-Wahl: Bush spricht von 30.000 getöteten Irakern
US-Präsident Bush hat im Anschluss an eine Rede über die Wahlen im Irak eingeräumt, dass seit der US-geführten Invasion im März 2003 rund 30.000 Iraker getötet worden sind. Die anstehende Wahl nannte er einen Wendepunkt im Nahen Osten.
Falsch. Nicht Bush hat das eingeräumt (er hat nur die Zahlen des Iraq Body Count zitiert), sondern der SPIEGEL. Denn während die US-Regierung schon immer darauf hinwies, daß die Opferzahlen des Irakkriegs weit geringer waren als von ihren Kritikern behauptet, hat unser allseits geschätztes Hamburger Nachrichtenmagazin recht lange gebraucht, bis es bereit war zuzugeben, daß all die bisher kolportierten Horrorzahlen mit ihren hunderttausenden von Toten selbst dann nicht herbeizuphantasieren sind, wenn man die getöteten Terroristen als unschuldige Opfer mit hinzuzählt.
Dabei sind die Zahlen des IBC nicht mal unumstritten, da sie aufgrund methodischer Mängel (wenn beispielsweise zwei Quellen gleichzeitig über Todesopfer berichten, wird die Zahl als bestätigt angesehen, ganz gleich wie idiotisch sie sein mag oder wie fragwürdig ihre Quellen sind, also wenn beispielsweise Ulrich Ladurner und Peter Scholl-Latour gleichzeitig behaupten würden, GIs hätten ein Dutzend unschuldige Zivilisten massakriert) mit Vorsicht zu genießen sind. Aber immerhin versuchen sie wenigstens noch die Opfer zu zählen, statt sie wie die Militärfachleute der britischen Medizinerzeitschrift “The Lancet” einfach zu raten, was aber immer noch reicht, um in der Jungen Welt zitiert zu werden.
Wenn man sich die Statistik des IBC anschaut und sie gleichzeitig mit den von der irakischen Regierung bekanntgegebenen Opferzahlen der Terroranschläge sowie den Annahmen aus US-Militärkreisen über die Zahl der getöteten Terroristen in Zusammenhang stellt, ergibt sich, daß grob geschätzt höchstens ca. ein Drittel der toten Zivilisten Kollateralschäden amerikanischer Militäroperationen sind (wovon drei viertel während der Hauptkampfhandlungen starben, was zwar immer noch zu viel ist, aber für einen Krieg diesen Ausmaßes bisher weltrekordverdächtig wenig), ein weiteres Drittel sogenannte “Widerstandskämpfer” (wobei die Grenze zwischen heldenhaften “Rebellen” und einfachen Kriminellen im Irak eher fließend ist) und der Rest Opfer von Massakern der Islamofaschisten (diese können aber den sie ja gerade bekämpfenden US-Truppen beim besten antiamerikanischen Willen nicht in die Schuhe geschoben werden).
Aber selbst wenn intelligente Bomben inzwischen so intelligent wären, zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden zu können, und Selbstmordattentäter bei Angriffen auf Marktplätze wie durch ein Wunder immer nur die Männer töten, während die Frauen am Stand daneben unversehrt bleiben und sich nur den Staub von den Ärmeln klopfen - wenn also die Zahl von 30.000 tatsächlich nur unschuldige Opfer der US-Invasion beinhalten würde, dann liegt auch die immer noch weit unter der, die Saddam Husseins Schreckensherrschaft in vergleichbaren Zeiträumen zum Opfer fielen.
Denn das wird bei der ganzen Diskussion gern vergessen: Hätten sich die Kriegsgegner durchgesetzt, sprächen wir jetzt über ganz andere Zahlen. Und zwar nicht nur durch Saddams Terror gegen das eigene Volk (die Schätzungen reichen von 300.000 bis 1 Million) und die Sanktionen (hier ist interessant, daß jene Leute, die vor dem Krieg von 1,5-2,5 Millionen Toten aufgrund der Sanktionen sprachen, nach deren Beendigung durch die rettende Kavallerie und der Entdeckung, wohin die “Oil for Food”-Milliarden wirklich geflossen sind, das plötzlich alles nicht mehr so schlimm fanden), auch hätten jederzeit weitere militärische Abenteuer Saddams (der Irak-Iran-Krieg hat auch ohne Atomwaffen bereits 1-1,5 Millionen Menschen das Leben gekostet) gedroht.
Aber für diese hunderttausenden von Menschen im Nahen Osten, die den Herzenswunsch der Achse des Friedens, Saddam an der Macht zu lassen, mit dem Leben bezahlt hätten (und die nie erfahren werden, daß sie in naher Zukunft todgeweiht waren - einige von ihnen bekämpfen jetzt vielleicht sogar die Amerikaner), hätte natürlich niemand einen “Iraq Body Count” eingerichtet. Denn wenn Frankreich seine Ölmilliarden einstreicht und Rußland Waffen verkauft und Deutschland Arbeitsplätze schafft, kann man als “Kriegsgegner” ja problemlos mit derartigen Unschärfen leben. Zumindest solange nicht auch die USA davon profitieren.



[...] des Friedens, und da schneiden selbst ausgewachsene Kriege der Demokratien mitunter immer noch um einiges besser ab als der so hochgelobte Frieden unter einigen Diktaturen. 5. Genau!! Es ging ja soviel Leuten [...]