Jubiläum: Briten feiern Trafalgar mit gigantischer Flottenparade
Die Briten sind ein seltsames Volk. Sie essen freiwillig Dinge, welche nicht mal die fast-food-gestählten Amerikaner den im “größten Gulag unserer Zeit” festgesetzten Terroristen zumuten würden. Sie haben einen Humor, bei dem die meisten Deutschen erst die offizielle Erlaubnis vom zuständigen Beauftragten für politische Korrektheit einholen würden, bevor sie außerhalb ihres Kellers darüber lachen könnten. Sie fahren wesentlich zivilisierter Auto als die Franzosen, und das obwohl sie das Lenkrad auf der falschen Seite einbauen. Sie vergnügen sich mit Spielen wie Bridge, deren umfangreiches Regelwerk nur damit zu erklären ist, daß sich die Kolonialoffiziere des größten Weltreichs der Geschichte in den von ihnen verwalteten Territorien offenbar gehörig gelangweilt haben müssen. Sie machen überhaupt eine ganze Menge anders als der Rest der Welt oder auch nur Europa. Eigentlich gehören sie gar nicht richtig dazu.
Und doch raffen sie sich einmal pro Jahrhundert auf, um sich an die Arbeit zu machen, eben dieses fremde Europa vor sich selbst zu retten, weil es dazu alleine ab einem gewissen Punkt offenbar nicht mehr selber in der Lage ist. Ganz gleich, ob die blitzenden Bajonette von Napoleons kaiserlicher Garde oder die rasselnden Ketten deutscher Panzerarmeen - letztlich scheitert die europäische Autoaggression immer wieder aufs neue am trotzigen und starrköpfigen Widerstand der Briten, die selbst in aussichtslos scheinender Lage ihre schon sprichwörtliche “stiff upperlip” behalten und so den Eroberern Europas einen Strich durch die Rechnung machen. Und auch dieses Mal, wo die eigentlich großartige europäische Idee durch den selbstzerstörerischen Feldzug der aktenordnerbewaffneten Bürokratenheere aus Brüssel bedroht ist, kommt die Rettung wieder von jenseits des Kanals.
Erschienen Schröder und Chirac vor kurzem noch als die unumschränkten Herrscher nicht nur des Alten Europa und Tony Blair als marginalisierte Randfigur, die von nervendem Störfeuer mal abgesehen ohne jegliche Bedeutung für die visionären Pläne unserer beiden Weltenlenker war, hat sich der Wind binnen Wochen, wenn nicht Tagen um 180° gedreht. Auf einmal stehen die beiden Riesenstaatsmänner mit ziemlich weit runtergelassenen Hosen da, während der britische Premierminister wie ein zweiter Churchill daherkommt, der die kerneuropäischen Bremsklötze fast beiläufig zur Seite schiebt. Hatten sich selbst wirtschaftsliberale Geister in ihrem Kleinmut schon damit abgefunden, daß die Vereinigung Europas naturgegeben leider nun mal untrennbar mit dem wirtschaftlichem Niedergang einer Staatswirtschaft verbunden ist, erinnert uns Tony Blair dieser Tage daran, daß durchaus ein anderes Europa möglich ist.
Im Gedenken an Lord Nelson, aus Dank, daß wir uns auf die Briten immer verlassen konnten, und im beruhigenden Bewußtsein, daß sie den alten Kontinent auch in Zukunft bei Bedarf sicher wieder retten werden, feiern wir daher den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Trafalgar gerne mit und freuen uns an den prächtigen Bildern der Flottenparade. In diesem Sinne: Rule Britannia!



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