Vergangenheitsbewältigung: Tokio und Peking beharren auf gegenseitigen Entschuldigungen

Das Verhältnis zwischen China und Japan ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wegen Japans Umgang mit der Kriegsvergangenheit wird Tokios Außenminister bei seinem Besuch in Peking demonstrativ gemieden.

Wo sie recht haben, haben sie recht. Zwar sind die Proteste sicherlich nicht halb so spontan, wie uns die Organisatoren im Hintergrund weismachen wollen, und gewalttätig müßten sie auch nicht gerade sein, aber es wird höchste Zeit, daß Japan endlich mal eine überzeigende und vorbehaltlose Entschuldigung rüberwachsen läßt.

Einfach nur emotionslose Erklärungen abgeben, reicht 60 Jahre nach Kriegsende nicht mehr. Man muß im Reich der aufgehenden Sonne endlich auch meinen, was man sagt. Japan hat im II. Weltkrieg auf der falschen Seite gekämpft, und es ist seinen eigenen Interessen auf die Dauer nicht förderlich, sich vor dieser Erkenntnis zu drücken.

Massaker wie das von Nanking, welches in seinem Ausmaß durchaus den Ruanda-Faktor hatte, als kleinere Unschärfe schönzureden, ist eine unglaubliche Frechheit, und würde – wie der grausame Umgang mit Zivilisten und Kriegsgefangenen überhaupt – locker den einen oder anderen Kotau gegenüber dem Rest der Welt rechtfertigen.

Eine Entschuldigung sollte sich allerdings ausdrücklich direkt an das chinesische Volk und nicht an dessen Unterdrücker richten. Im Gegenteil, die KP könnte sich angesichts der Tatsache, daß sie um ein vielfaches mehr Chinesen auf dem Gewissen hat als die Japaner, da mit dranhängen und bei der Gelegenheit auch gleich bei den eigenen Landsleuten entschuldigen.

Das würde den Kommunisten jedenfalls wesentlich besser zu Gesicht stehen, als einen auf betroffen zu machen. Denn eins ist klar: Hier handelt es sich nicht um Tränen ob der Opfer der Vergangenheit, sondern um die beunruhigenden Vorboten der nationalistischen Muskelspiele, die wir in Zukunft noch von China erwarten dürfen.

~ von Paul13 am Montag, 18. April 2005.

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