Außenpolitik: Grobmacht Deutschland
Mag sein, dass es Berlin und Paris (London kriegt inzwischen kältere Füße) nur darum geht, Peking zu streicheln, um so mehr Airbusse und anderes Zivilgerät verkaufen zu können. Es mag aber auch sein, dass die Großstrategen in den Hinterstübchen von einer Allianz der Flanken träumen, welche die »letzte verbleibende Supermacht« in die Zange nimmt. Die Unterstellung ist bei all dem Gerede über eine »multipolare Welt« auch nicht absurd; auf jeden Fall sorgen sie sich in den Washingtoner Hinterstübchen ganz offen über eine solche »Umkehr der Bündnisse«.
Nachdem Josef Joffe lange Zeit ins amerikanische Exil abgetaucht war, aus dem er sich leider nur sporadisch zu außenpolitischen Themen vernehmen ließ, hat er sich endlich wieder eindrucksvoll mit einem treffenden Kommentar zur deutschen Chinapolitik zurückgemeldet.
In diesem Artikel weist er zu recht auf die tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisende Möglichkeit hin, daß es sich bei dem Ruf “German weapons to the front!” nicht um eine zufällige Tolpatschigkeit oder bloß wirtschaftlich motivierte Skrupellosigkeit handelt, sondern tatsächlich um den beunruhigenden Versuch der Achse Paris-Berlin, ein Gegengewicht zu Amerika aufzubauen.
China ist ja weit weg und aus der Froschperspektive Chiracs oder aus Schröders Waschmaschine heraus betrachtet nicht unbedingt als direkte Bedrohung erkennbar. Alles was nicht wenigstens 20000 Panzer an unserer Ostgrenze aufbieten kann, verschwindet offenbar unter dem Radarschirm unserer europäischen Weltenlenker.
Daß ein China, welches vor gar nicht allzu langer Zeit noch Slobodan Milosevic im Kampf gegen die NATO half, auf dem internationalen Schachbrett atomare Bauern wie Iran und Nordkorea verschiebt, im Sudan auch mal einen Völkermord deckt, und bereit ist notfalls einen großen Ostasienkrieg gegen die Supermacht USA zu riskieren, nur um dem Kommunismus künstliches nationalistisches Leben einzuhauchen, durchaus mehr als eine nur indirekte Bedrohung ist, erschließt sich dem Helden von Goslar offenbar nur sehr schwer.
Nachdem die deutsche Außenpolitik in den ersten Jahren nach der rot-grünen Machtübernahme aller früheren antiwestlichen Rhetorik zum Trotz überraschend vernünftig ausfiel, scheint seit dem Irakkrieg nun doch die eine oder andere Sicherung durchgebrannt zu sein. Schröder sollte nicht vergessen, daß eine Pickelhaube auf dem Kopf zwar einen gewissen Schutz bietet, aber verdammt unangenehm wird, wenn man sich versehentlich draufsetzt.



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