Schröders China-Kurs: Gegen die Mauer
Ja, ist denn heute Weihnachten? Oder wurde rechtzeitig vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen ein Osterdonnerstag eingeführt und ich hab nix davon mitbekommen? Da hat man gerade erst genossen, wie Matthias Nass Gerhard Schröder in der ZEIT wegen seiner verfehlten Chinapolitik vorgeführt hat, da brennt auch schon die Konkurrenz ein Feuerwerk ab, daß man inmitten all der zahlreichen Einschläge der präzisionsgesteuerten Chinaböller kaum erkennen kann, ob das Kanzleramt noch steht.
Daß Michael Stürmer in der WELT sich auf das außenpolitische Dilettieren des Kanzlers einschießt, mag bei einer konservativen Zeitung ja noch nicht sonderlich überraschen, aber wenn auch eine rot-grüne Hofjournalistin wie Bettina Gaus in der tageszeitung aufgeschreckt auf Schröders Mißachtung des Parlaments und die Menschenrechtsrealität in China hinweist, reibt man sich schon verwundert die Augen. Selbst der Vorwärts die Frankfurter Rundschau muß sich sehr verrenken, um im unverständlichen Handeln des Kanzlers wenigstens noch die theoretische Option einer möglicherweise weitsichtigen Wirtschaftspolitik finden zu können.
Vollends veredelt wird dieser außerordentliche Feiertag dann aber von einem weiteren Meisterwerk Claus Christian Malzahns, in welchem er auf die Demontage des manövrierunfähig geschossenen Visaministers Fischer hinweist und sich die antiwestliche Motivation des ehemaligen Juso-Häuptlings vorknöpft. Gar köstlich lesen sich in diesem Zusammenhang vor allem Schröders frühere Ergebenheitsadressen an die kommunistische Nomenklatura kurz vor ihrem Sprung in den Abfalleimer der Geschichte. Mein persönlicher Favorit aber ist der hier:
Eines aber ist inzwischen absolut gewiss: Die Beschädigung des transatlantischen Verhältnisses ist eine Lieblingsfigur rot-grüner Diplomatie. Washington argumentiert mit guten Gründen gegen eine Lockerung des Embargos gegen China. Doch wenige Wochen nach dem Besuch des amerikanischen Präsidenten in Deutschland marschiert der deutsche Kanzler weiter ins außenpolitische Nirwana. Jede Richtung scheint inzwischen recht - Hauptsache, der Kanzlerkompass weist nicht nach Westen.
Ich würde mal sagen: “Treffer, versenkt!”



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