China: Gerüstet zum Kotau

Da sitzt der Bundeskanzler in seiner selbst gegrabenen Grube und weiß nicht, wie er wieder herauskommen soll. Gerhard Schröder hockt dort nicht allein, der Weltstaatsmann Jacques Chirac hat kräftig mitgebuddelt. Die Europäer wollen das 1989 über China verhängte Waffenembargo aufheben, so rasch wie möglich, spätestens im Juni. [...] Was treibt die Europäer nur, fragen sich Administration und Kongress in Washington, Großmannssucht oder Krämergeist? Welche Gegenleistung verlangen sie eigentlich von den Chinesen? Die Aufwertung der EU zum »strategischen Partner« – oder doch nur den Kauf des neuen, von Franzosen, Deutschen, Engländern und Spaniern gebauten Superjets A380?

[...] Haben die Europäer, wie der demokratische US-Kongressabgeordnete Tom Lantos meint, den »moralischen Kompass« verloren? Oder nur die außenpolitische Orientierung? Ein Konflikt mit Amerika über China jedenfalls wäre eine grandiose diplomatische Fehlleistung. Schröder und Chirac, so ist zu fürchten, ahnen noch nicht einmal, wie tief sie im Schlamassel stecken.

Ist im zarten Alter von zwei Wochen zwar fast schon wieder ein alter Hut, aber angesichts des Kanzlerinterviews in der ZEIT ein immer noch hochaktueller Kommentar zur Lage. Schröder hätte ihn sich besser zu Herzen genommen, bevor er sich dranmacht, sein eigenes Reiterstandbild zu zerstören, bevor es überhaupt erst errichtet wurde. Denn was immer Schröder an Verdiensten haben mag (ja, auch ein Sozialdemokrat macht nicht alles falsch), aber sein außenpolitischer Kurs ist brandgefährlich. Dank an Matthias Nass, daß er das so brilliant aufzubereiten weiß.

~ von Paul13 am Donnerstag, 31. März 2005.

Eine Antwort to “China: Gerüstet zum Kotau”

  1. [...] als zwei Jahren die Versuche der Achse des Friedens, das EU-Waffenembargo gegen China aufzuheben, passend kommentiert hatte, und im Sommer dieses Jahres dem Schröder Gerd noch ein paar mahnende Worte mit auf den Weg [...]

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