Frauenhandel: Wenn die Prostituierte zur Sklavin wird
Es gibt so Berichte, nach deren Lektüre möchte man einfach nur noch kotzen. Oder am besten gleich alle rechtsstaatlichen Vorsätze vergessen und mit der Pump-Gun losziehen, um „Ein Mann sieht rot“ zu spielen. Top-Kandidaten sind da immer die Fälle, wo Kinder entführt, mißbraucht oder getötet werden. Aber das vom CDU-Abgeordneten Siegfried Kauder angesprochene Thema kommt ziemlich dicht danach, zumal die Grenze zwischen diesen beiden Bereichen nicht immer klar erkennbar ist.
Der christdemokratische Bundestagsabgeordnete hatte kürzlich vorgeschlagen, im Strafgesetzbuch einen Zusatz zum „Sexuellen Missbrauch von Menschenhandelsopfer“ einzuführen. Kauder, von Beruf Rechtsanwalt, will damit „nicht mehr nur an der Angebots-, sondern auch an der Nachfrageseite drehen“. Danach sollen Freier, die absichtlich Sex mit einer Zwangsprostituierten haben, mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.
Damit da keine Mißverständnisse aufkommen: Das bedeutet nichts anderes, als daß sie diese fünf Jahre derzeit nicht bekommen! Für Folter, Vergewaltigung (falls da überhaupt ein Unterschied ist) und oftmals auch Kindesmißbrauch. Nicht mal fünf verdammte Jahre!
Wir können uns zwar monatelang auf den Titelseiten und in ausführlichen Reportagen über jeden durchgeknallten US-Soldaten aufregen, der einem gefangenen Terroristen Damenunterwäsche über den Kopf zieht, aber wenn es mal wirklich um einen gigantischen Folter- und Sexskandal geht, der zudem noch im eigenen Land stattfindet, dann will da keiner so genau hinschauen. Der Unterschied bei unserem Abu Ghureib ist nur, daß es sich nicht um Einzelfälle handelt, daß es schon Jahre völlig ungehindert so weitergeht, daß es jeder weiß, und daß die Täter bei uns dafür nicht 10 Jahre Knast bekommen, sondern eine Corvette und ‘ne Rolex.
Aber auch wer „leichtfertig nicht erkennt“, dass es sich um eine Zwangsprostituierte handelt, muss mit Haft bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Genau das aber ist für viele Beobachter ein Knackpunkt.
Jedem sei sein Amüsement gegönnt. Aber es ist wohl nicht zuviel verlangt, wenn der Kunde sich wenigstens mal den Paß der Gespielin seiner Wahl zeigen läßt. Und zwar von Ihr persönlich. Unter vier Augen. Das würde nicht nur sicherstellen, daß die Auserwählte alt genug ist, sondern auch, daß der für sie zuständige Vergewaltigungslagerleiter ihre Papiere nicht mehr ganz so einfach wegschließen kann.
Es gebe keine Ermittlungswege, „um den Tätern in die Köpfe zu gucken“, sagt Rudat vom Bund deutscher Kriminalbeamter. Man müsste ja dem Freier nachweisen, was er vor und während des Besuches einer Zwangsprostituierten wusste und dachte, so die Lobbyistin der Kriminalbeamten. Der Nachweis sei daher schwer zu erbringen.
Wieso? Auf die Frage, ob er sich den Ausweis hat zeigen lassen, gibt es nur zwei sinnvolle mögliche Antworten, „ja“ bzw. „nein“. Ersteres bedeutet ein süffisantes Grinsen, letzteres schwedische Gardinen, ganz einfach. Selbst ein weniger stark belichteter Richter sollte mit diesen Informationen in der Lage sein, das richtige Strafmaß zu erraten.
[...] bislang kommen Freier, wenn sie die Dienste einer Sex-Sklavin in Anspruch nehmen, ungestraft davon. Der wohl prominenteste Fall ist der des TV-Moderators Michel Friedman. [...] Als „Paolo Pinkel“ holte sich Friedman solche Frauen ins Hotel. Es waren, wie sich später in einem Strafprozess gegen die Zuhälter herausstellen sollte, Zwangsprostituierte.
Das Ende der besten Talkshow im deutschen Fernsehen hätte sich somit bei entsprechenden Regeln verhindern lassen. Man sollte sie halt nur mal aufstellen, sonst hält sich natürlich keiner dran.
[...] Das Verhalten von Friedman ist symptomatisch für eine Lücke im deutschen Strafrecht – wie sie Kauder mit seinem Vorschlag schließen möchte. Denn erst die Freier von Zwangsprostituierten schaffen jenen lukrativen „Sklavenmarkt“, der zum Milliardengeschäft geworden ist.
Schön, daß endlich mal jemand einen halbwegs angemessenen Ausdruck dafür verwendet. „Frauenhandel“ und „Zwangsprostitution“ klingt immer verdächtig neutral, so als ob das Thema auf möglichst kleiner Flamme gehalten werden soll.
[...] Jeder Freier müsste spätestens dann aufhorchen, wenn die Prostituierte kein Deutsch spricht und damit weder über die Bezahlung noch die sexuellen Praktiken verhandeln kann.
Noch ein guter Punkt, angemessene Deutschkenntnisse! Ob sie dann hinterher auf französisch weitermachen oder sich sächsische Ferkeleien ins Ohr flüstern, sei ihnen überlassen, aber gerade zum Schutz ausländischer Frauen ist das Beherrschen der deutschen Sprache – nicht nur in der Halbwelt, sondern auch in anderen Parallelgesellschaften – absolut unabdingbar.
[...] Seit Jahren fordern Frauenorganisationen, den Opferschutz zu stärken und Fragen des Ausländerrechts auszuklammern, wenn Zwangsprostituierte gegen ihre Zuhälter aussagen wollen. [...] Für die Dauer des Verfahrens dürfen die Frauen in Deutschland bleiben, danach werden sie früher oder später ausgewiesen.
Das muß man sich mal vorstellen: Anstatt den aussagewilligen Opfern noch Kopfgeld zu zahlen, die Staatsbürgerschaft zu geben, sowie wahlweise das Bundesverdienstkreuz zu verleihen oder eine neue Identität zu verschaffen, schmeißen wir sie einfach raus. Das hätte Donald Rumsfeld mit den Belastungszeugen gegen Graner und seine Komplizen mal wagen sollen. Den Aufschrei hätte man bis hinter den Ural gehört.
[...] Nach dem Vorschlag Kauders soll das Freiergesetz auch im Ausland nach deutschem Recht gelten. Denn der Sextourismus blüht – und dass schon lange nicht mehr nur im fernen Asien, sondern entlang der deutschen Außengrenzen zu den osteuropäischen Nachbarn.
Wär ja schlimm, wenn das dort nicht gelten würde! Wenn die widerlichen Kinderschänder in Bangkok aus dem Bumsbomber steigen, sollen sie ruhig dran denken, daß sie nach der Rückkehr zuhause eine unangenehme Überraschung erwarten könnte.
[...] Denn die Zwangsprostituierten sind nicht immer grün und blau geschlagen, die Wirklichkeit nicht schwarz-weiß. Würde ein Freiergesetz zur Kriminalisierung tausender von Männern – quer durch alle Schichten – führen, die zu Prostituierten gehen, wie manche befürchten? Brauchen Freier ein Gütesiegel für Bordelle oder nur ein wenig „Aufklärung“, um sich nicht strafbar zu machen?
Warum eigentlich nicht? Die Nutten müssen Sozialversicherung zahlen, die Bordellbetreiber Steuern, warum soll man dann den weißen Schafen unter ihnen nicht per staatlichem Bapperl einen Wettbewerbsvorteil verschaffen? Immer noch besser ein „Roter Engel“ auf der Tür als ein blaues Auge im Gesicht.
[...] Wie den „modernen Sklavenmarkt“ bekämpfen? Es ist noch nicht einmal klar, wie viele Frauen angeboten und verkauft werden. Das US-amerikanische Justizministerium nennt 600.000 bis 800.000 Menschen, die jährlich weltweit über Grenzen hinweg gehandelt werden, achtzig Prozent davon sind Mädchen und Frauen, in siebzig Prozent der Fälle handelt es sich um sexuelle Ausbeutung.
Bei solchen Zahlen muß doch irgendeinem verantwortlichen Minister mal der Kragen platzen! Wo leb ich denn hier eigentlich?
[...] Kauders Entwurf sei ein Schnellschuss, um der Bevölkerung zu zeigen „wir sind auf der richtigen Seite“ sagt Irmingard Schewe-Gerigk. Für die Freier gelte bereits die Anzeigepflicht, wenn dieser seinen Verdacht der Zwangsprostitution nicht melde, so die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Wenn es Straflücken gebe, werde man diese schließen.
So, wird man das? Dann geht man offenbar sehr gründlich vor, sonst hätte sich da bestimmt schon was getan. Denn so ganz neu ist das Thema nicht. Kauder hat es nur mal wieder ins Gespräch gebracht. Von Schnellschuß kann da beim besten Willen keine Rede mehr sein. Meine Wenigkeit beispielsweise hat im Rahmen eines Wutanfalls nach einer Fernsehreportage bereits vor fast einem Jahr eine eMail an die werte Renate Schmidt geschrieben ***, und ich war da bestimmt nicht der einzige. Und auch besagte Reportage wiederum hatte ja nur über etwas berichtet, was offenkundig schon ein Problem war.
Die SPD plant für die kommenden Wochen eine Anhörung in der Fraktion, so Erika Simm, Berichterstatterin im Rechtsausschuss des Bundestages. Erst werde geprüft, dann wolle man sich zusammensetzen, so Schewe-Gerigk, und „behutsam regeln, nicht mit Übermaß.“
Nicht so hastig, Ihr könntet am Ende noch jemanden retten. Sowas ist schnell passiert.
[...] Wieland hält Kauders Vorschlag für richtig. Immer öfters packt sie die Wut. „Viele Leute haben keine Ahnung von dem Elend der Zwangsprostituierten und urteilen aus ihrer Sattheit und behaupten, die würden das schon freiwillig machen. Statt Opfer- geht es oft um reinen Täterschutz.“
Das ist genau der Punkt: Vor lauter Schutz der Täter vergessen wir immer wieder die Opfer. Ist wohl eine Tradition im Land der Henker.
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*** Für alle Interessierten hier meine eMail an das Frauenministerium vom 18. März letzten Jahres sowie die Antwort vom 10. Mai.
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Sehr geehrte Frau Schmidt,
letztens habe ich mal wieder mit Schrecken einen Fernsehbericht gesehen, in dem auf die tausenden von Frauen hingewiesen wurde, die – teilweise schon im Kindesalter entführt und vergewaltigt! – ein Sklavendasein als Zwangsprostituierte in Bordellen quer durch ganz Europa führen.
Das wäre schon im Kongo unerträglich, aber daß das hier in Deutschland in diesem Ausmaß und unter den Augen von Polizei und Justiz möglich ist, treibt einem buchstäblich die Tränen in die Augen. Erschreckenderweise wird dies von Öffentlichkeit wie Politik einfach so hingenommen.
Daß man hierzulande gegen die Täter, vor allem aus der organisierten Kriminalität nichts machen kann bzw. will, habe ich inzwischen leider lernen müssen, aber könnte man dann nicht wenigstens den Kunden das Leben ein bißchen schwerer machen? Wenn die Nachfrage ausbleibt, gibt’s irgendwann auch kein Angebot mehr.
Es müßte doch möglich sein, einen Kunden, der sich an einer Zwangsprostituierten vergeht, wegen Vergewaltigung anzuzeigen. Dann würde er schon selber ein Interesse daran haben, sicherzustellen, daß es sich bei seinem nächtlichen Amusement nicht um eine offenkundig Minderjährige ohne Deutschkenntnisse handelt, die bei jedem Blick zu dem goldkettchenbehängten Arschloch an der Bar ängstlich zusammenzuckt.
Wohlgemerkt: Ich bin kein Moralapostel, und wenn einer sein sauer verdientes Geld für ein Callgirl ausgeben möchte, das damit wiederum ein vielfaches von dem verdient, was sie als Ehefrau für den selben Job bekommen würde, soll mir das recht sein. Aber daß in dem Staat in dem ich lebe, solche Massenvergewaltigungen mit Hinweis auf die Rechtslage hingenommen werden, ertrage ich einfach nicht!
Bitte unternehmen Sie was, wenn die Kollegen Innen- und Justizminister es schon nicht tun.
Mit freundlichen Grüßen
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Sehr geehrter Herr H…,
vielen Dank für Ihre E-Mail an Frau Bundesministerin Renate Schmidt vom 18. März 2004, in der Sie sich zu Frauenhandel äußern. Ich wurde gebeten, Ihnen zu antworten.
Ihre Empörung über Frauenhandel in Deutschland kann ich gut verstehen. Auch der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, diese schwere Menschenrechtsverletzung zu bekämpfen. Aufgrund der Vielschichtigkeit des Phänomens ist eine Bekämpfung jedoch äußerst schwierig. Hierzu gibt es auf nationaler und internationaler Ebene eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Bundesregierung ergriffen hat. Auf nationaler Ebene wurde beispielsweise die bundesweite Arbeitsgruppe Frauenhandel auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ins Leben gerufen, an der die zuständigen Bundesministerien, die Bundesländer (vertreten durch die Landesfachministerkonferenzen), das Bundeskriminalamt und Nichtregierungsorganisationen, die Opfer von Frauenhandel beraten und betreuen, Mitglieder sind.
Ergebnisse u.a. der Arbeit der AG Frauenhandel ist:
- ein erarbeitetes Kooperationskonzept konnte in vielen Bundesländern die Kooperation zwischen der Polizei und Fachberatungsstellen, die Opfer von Frauenhandel beraten und betreuen, verbessern,- Opfer von Menschenhandel können Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz erhalten,
- Opfern von Menschenhandel wird bei Aufgriff ein vierwöchiges Bleiberecht gewährt.Sie sprechen zu Recht die Eindämmung der Nachfrageseite an. Im BMFSFJ wird z. Zt. geprüft, wie man männliche Prostitutionskunden diesbezüglich am besten ansprechen kann. Auf welchem Weg und in welcher Form dies geschehen kann, ist noch nicht entschieden.
Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

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Ich wage es allerdings zu bezweifeln, dass eine (auch oder gerade eine freiwillige) Prostituierte einem Kunden gern ihren Pass zeigt. Behaupte mal ganz frech, dass die wenigsten Frauen wollen, dass die Freier ihre Adresse u.ä. herausbekommen um mal „spontan“ vor der Haustür stehen zu können.
Da müssen sie sich schon etwas anderes überlegen…
@ Nepumuk
Gut, aber dann ließe sich das sicherlich mit einem Ersatzdokument regeln.
Absoluter Schwachsinn das hier alles, sorry … Ich setze mich seit Jahren mit diesen Themen auseinander und der ganze Schmarrn macht mich echt wütend. Mit der gleichen Logik sollte man Liddl-Kunden bestrafen, weil sie ein Unternehmen unterstützt haben, was Mitarbeiter bespitzelt. Nirgendwo verlangt man vom Kunden, dass er Einblick in die Innereien eines Unternehmens hat, nur bei der Prostitution dann plötzlich, das ist einfach nur deppert und symptomatisch dafür, wenn Konservative bei so einem Thema mitreden wollen.
Allein das mit dem Pass zeigen lassen, ist sowas von lächerlich, jede Frau würde zurecht jedem Kunden, der sowas verlangt, die Tür vor der Nase zuschlagen, das grenzt bereits an Nötigung.
Und dass in punkto Drogen und Sexarbeit (beides gehört selbstverständlich komplett und ohne Einschränkungen legalisiert, sofern alles freiwillig und einvernehmlich unter Erwachsenen abläuft) die USA gerne mal die Zahlen nahtlos übertreibt, ist auch bekannt. Nicht umsonst wählen die meisten Sexarbeiter in den USA die „Libertarian Party“, das hat schon seine Gründe.
Übrigens: wo Menschenhandel stattfindet, ist der Staat meistens leider auch nicht weit weg. Gegen das, was ihr euch unter diesem Label klischeehaft vorstellt, bin ich natürlich genauso dagegen wie Paul13, aber man muss schon differenzieren können, ich kenne genug freiwillige Damen in diesem Bereich, vor allem im Edelbereich (u.a. BDSM) und man darf auch nicht der Rechten auf den Leim gehen, die unter diesem Deckmantel meist bloß eine restriktive Zuwanderungspolitik betreiben möchte und schon gar nicht dem Staat, dessen Repressionen die Probleme auf illegalen Märkten überhaupt erst schaffen.
Die Problematik Kinder ist dann noch ein ganz anderes Thema. Frauen mit Kindern in einen Topf zu werfen, ist schon arg sexistisch, sorry.
Ich empfehle zum Einstieg in die Thematik die Website von Dona Carmen e.V., einer Organisation der ich auch schon öfters Geld gespendet habe, denn auch ich habe ein Herz für Prostituierte (aber eben auch für Freier :D).
@ CK
Bei Lidl & Co. liegt auch einiges im Argen, aber daß Mitarbeiter zwangsrekrutiert und nach der Einstellung zunächst mal verprügelt und vergewaltigt werden, damit sie widerspruchslos unbezahlte Überstunden an Kasse 3 machen, wäre mir jetzt neu.
Im übrigen bin ich in gesellschaftlichen Fragen ganz gewiß nicht konservativ und gönne jedem seinen Spaß, aber angesichts dieses halblegalen Sex-Gulags halte ich es für zumutbar, gewisse Schutzvorkehrungen zu treffen, damit der Spaß auch wirklich freiwillig bleibt.
@Paul13: Es geht darum, dass man nicht von Kunden verlangen kann das zu tun, was Aufgabe von Polizei und/oder Gewerbeaufsicht ist. Das gilt für die Prostitution genauso wie für jeden anderen Marktbereich. Natürlich soll man aber melden, wenn man etwas mitbekommt.
Ein Gütesiegel wäre ja durchaus ne gute Idee, der ich sehr viel abgewinnen könnte. Ansonsten kann ich Dir aber nur raten, Dich mehr in die Thematik einzulesen. Zu erst einmal musst Du differenzieren zwischen Menschenhandel (wie Du Dir das vorstellst), sog. illegaler Einwanderung und stinknormaler Schwarzarbeit. Ob die Friedman-Frauen Zwangsprostituierte waren, ist bspw. gar nicht bewiesen. Nur zu sagen, dass die kein ausreichend deutsch konnten, ist Schwachsinn, denn dann gibt es auch jede Menge Zwangsputzfrauen in Deutschland oder nicht ? Wenn sie nicht angemeldet waren, waren es auch u.U. „nur“ SchwarzarbeiterInnen und/oder illegale EinwanderInnen. Zudem liegt das Schutzalter bei 21 statt 18 bei AusländerInnen, so dass hier auch schnell illegale Aktivitäten vorliegen ohne dass wirklicher Zwang vorliegt.
Was Du meinst, ist sexuelle Sklaverei und da bin ich selbstverständlich auch komplett dagegen, leider sind Deine Vorschläge eher kontraproduktiv zwecks Bekämpfung solcher Verbrechen. Ich weiss es, weil ich habe teilweise auch mal so gedacht wie Du und musste dann umsteuern.
Links gefällig ?
http://www.sans.nu/sans_eng.htm
http://lesputes.org/main.htm
http://www.lustaufrechte.at/
http://www.donacarmen.de/
http://www.sexworker.at
Wie gesagt, ich kenne mich ein wenig aus und gehöre zu einer Gruppe von international miteinander vernetzten Leuten (nein, wir sind keine Zuhälter/Betreiber odgl.!), Privatpersonen, NGO’s (darunter auch feministische, aber keine im Emma-Sinne), aber auch Politiker, die gegen die von Dir angeprangerten Verbrechen vorgehen wollen, aber auch gerade den freiwilligen Arbeitern Rechte zugestehen wollen und sich gegen Pauschalisierungen wenden.
Ich leugne übrigens nicht die schlimmen Vorfälle wie sie in manchen Dokus zu sehen sind, nur sollte klar sein, dass die Medien hier eben ähnlich pauschalisieren wie bei den Horrorstorys aus Pallywood. Da viele Zeitungen einfach nur Meldungen bei anderen kopieren, werden dann oft wahnwitzige Zahlen weitergetragen, die einfach in dieser Grössenordnung nicht stimmen (die 40 000 zur WM 2006 bspw. sind ein einziger, längst widerlegter Treppenwitz) und auch gar nicht mehr differenzieren. Für viele Linke ist es ja sws auch schon „Ausbeutung“ wenn man es nur des Geldes wegen macht, das finde ich auch lächerlich.
Übrigens bin ich selbstverständlich auch dafür, dass der Kunde bestraft wird, wenn er die Frau vergewaltigt oder ihr sonst etwas SELBER antut. Etwas, was in manchen Teilen der Erde oft nicht verfolgt wird, da die Frau keine Anzeige machen kann, da sie ja selber sonst wg. Prostitution bestraft wird.
Also sieh das als gutgemeinte, konstruktive Kritik an Deiner ansonsten sehr lesenswerten Webpage, ich kann nur nicht zulassen dass durch falsche Ideen den Frauen noch mehr geschadet wird.
Nichts für ungut, Shalom, CK.
@ CK
Mir geht’s aber gar nicht primär um die Kunden, sondern vor allem um die mafiösen Strukturen dahinter. Die Kunden müssen die Frauen gar nicht mehr vergewaltigen, das haben die Zuhälter oft schon selber erledigt. Wenn dieses Umfeld zerschlagen wird, dann nützt das auch den Zwangsprostituierten.
@Paul13: Wenn es Dir nicht primär um die Kunden geht, hättest Du halt das Obige nicht schreiben sollen, denn inwiefern das kontraproduktiv ist, kann man auf den von mir verlinkten Seiten nachlesen ;-) Es bleibt einfach eine lächerliche Idee, einen Freier strafen zu wollen, weil seine Liebesdame vielleicht mal von ihrem Zuhälter vergewaltigt wurde, was der Freier ja gar nicht wissen kann. Wie schon gesagt, in keinem anderen Marktbereich wirft man dem Kunden vor, wenn das Unternehmen Verbrechen begeht.
Du vertrittst ganz klar abolitionistisches Gedankengut, zumindest implizit. Das ist jedoch m.E. grundfalsch.
Natürlich geht es auch mir um die mafiösen Strukturen, die man zerschlagen sollte, aber man muss eben auch mal erkennen, dass diese oft die Konsequenz vorheriger, falscher Politik sind und man muss sehen, inwiefern der Staat leider Gottes mitschuld an vielem ist.
Das ist die liberäre, aber auch vor allem die liberale, sprich meine Perspektive (in der es dem Staat durchaus obliegt, konsequent Nachtwächter zu spielen).
Wo wir uns bspw einig sind, ist die Tatsache, dass man sexuelle Sklavinnen nicht nach Hause schicken sollte (ausser wenn sie es explizit wollen), sondern ihnen ein dauerhaftes Bleiberecht gewähren sollte. Auch einig sind wir uns, dass das Milieu von der Polizei kontrolliert gehört.
Nicht einig sind wir uns bei den Zahlen. Mir ist echt schleierhaft wie jemand nicht erkennen kann, dass sich die Berichterstattung von Emma bspw. auf dem Niveau von Pallywood bewegt. Wenn man mal jegliche Ideologie beiseite lässt und sich mit dem Milieu und seiner extremen Pluralität befasst, wird man erkennen, dass es nicht so einfach ist, wie Du es hier leider darstellst. Red bitte auch mal mit Damen aus dem Milieu selbst !
Ich will fairerweise jedoch anmerken, dass sich meine persönlichen Bekanntschaften auch auf die gehobenere Klasse beschränken, sprich gutes Bürgertum, Studio statt Straße, gute Bildung oft sogar noch (Studierte), aber ich kriege auch durchaus was aus anderen Bereichen mit.
Hier ein längerer Text von mir selbst:
http://zeitung.sexworker.at/warum-das-modell-schweden-ungeeignet-ist/
@ Ck
Das ist nicht kontraproduktiv, wenn der Zuhälter dafür, daß er Frauen vergewaltigt, auch dann, wenn er nicht erwischt wird, weniger an ihnen verdienen kann. Die Einahmenseite ist nämlich der Grund warum er seinen – im übrigen völlig überflüssigen Job – überhaupt macht.
Im übrigen will ich derartige Freizeitvergnügungen ganz bestimmt nicht prinzipiell abschaffen. Ich will nur sichergestellt sehen, daß da alle Beteiligten freiwillig mitmachen. Wie Du darauf kommst, daß ich hier außer den Tätern irgendwen gängeln will, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.
@Paul13: Natürlich ist der klischeehafte Zuhälter (dessen Existenz sich in Auflösung befindet, wo legale Strukturen geschaffen worden sind) völlig überflüssig. Dort wo er noch existiert, ist dies schlichtweg die Folge falscher Politik.
Das rot-grüne Gesetz von 2002 hat trotz seiner Mängel auch durchaus einiges bewirkt. Ein Bordellbetreiber, der sich daran hält (nicht immer der Fall, leider), ist zudem kein Zuhälter, sondern eher ein reiner Zimmer-Vermieter. Ein weiterer Schritt wäre die Sperrbezirksverordnung zu kippen und Niederlassungsfreiheit zu gewähren, um den Markt zu entflechten.
Du schreibst: „Wie Du darauf kommst, daß ich hier außer den Tätern irgendwen gängeln will, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.“
Vlt. habe ich Dich einfach missverstanden dann, sorry. Hab halt zuviel mit Befürwortern des schwedischen Modells zu kämpfen und habe geglaubt eine abolitionistische Präferenz bei Dir rauszulesen.
Glaub mir einfach, dass wir schon viel weiter wären, würde die Politik mehr auf die Sexarbeiter selbst und ihre eigenen oder auch befreundete NGO’s hören (aber die Politik ist bekanntlich oft schief gewickelt, wie wir beide wissen). Im Grunde scheinen wir ja das gleiche Ziel dann zu haben, denn auch ich bin gegen Gewalt und Kriminalität.
Ich bin halt nunmal befreundet mit manchen Damen aus dem Biz und reagiere daher wohl manchmal sehr sensibel ;-)
@ CK
Wenn es darum geht, Prostiuierte rechtlich besser zu stellen, bin ich sicher der letzte, der da was gegen hat, im Gegenteil.Aber wie gesagt nur, wenn Zuhälter, Menschenhändler und Mafiosi nicht davon profitieren. Ich mir eigentlich nicht wirklich vorstellen, daß Deine Bekannten das anders sehen.
Meine persönlichen Bekannten arbeiten ganz ohne Zuhälter, sowieso. Die verkörpern eher den „sexpositivistisch-feministischen“ Typus. Drehen auch Femdom-Filme ;-) (Falls Du „sexpositive feminism“ nicht kennen solltest, googel bspw. mal nach Wendy McElroy, Annie Sprinkle, Camille Paglia, sehr geil !)
Deiner Linkliste nach zu urteilen, scheinst Du ja durchaus auch viele Sympathien für liberale Ideen zu haben, finde ich gut. Schaue egtl. sws regelmässig hier vorbei seit der Krieg in Gaza anfing.
@ CK
Ich bin tatsächlich in den meisten Bereichen des alltäglichen Lebens (neo)liberal bis libertär, also überall da, wo mündige Bürger freiwillige Entscheidungen treffen. Das betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern eben auch gesellschaftliche Fragen.
Nur bei den beiden Kernaufgaben des Staates – dem Kampf gegen die Bösen (da bin ich ein Neocon) und dem Schutz der Schwachen (da hab ich nahezu sozialistische Anwandlungen) – bin ich es nicht. Wobei es sich über die dazugehörigen Mißstände leichter schreiben läßt als darüber, wo alles rund läuft.
@Paul13: Wir haben anscheinend sehr viel gemeinsam, zumal auch ich große Sympathien für Israel habe und auch für libertären Sozialismus. Unter dem Strich sind wir wohl vermutlich sogar Bündnispartner und ich habe mehr mit Dir gemeinsam als mit einem Blankertz bspw., oder ?
BTW, was hälst Du von Ayn Rands Objektivismus ?
(Sorry, ich weiss, das geht über das egtl. Topic-Thema hinaus, aber ich weiss nicht wo ich die selbe Frage sonst stellen könnte.)
@ CK
Ich habe mich zwar noch nicht ausgiebig damit befaßt, aber was ich bisher darüber mitbekommen habe, scheint mir sehr bedenkenswert zu sein. USA erklärt hat dazu kürzlich einen lesenswerten Ayn Rand-Crashkurs gebracht:
http://usaerklaert.wordpress.com/2009/02/03/von-der-bedeutung-von-ayn-rand-und-john-galt-wer-auch-immer-das-sein-mag/
Zwar soll sie demnach selbst eine antiinterventionistische Haltung gehabt haben, aber diese Frage scheint selbst unter eingefleischten Objektivisten noch nicht abschließend geklärt zu sein. Da gibt’s wohl zwei Denkschulen.
Grundsätzlich finde ich den Ansatz für den Umgang innerhalb einer zivilisierten Gesellschaft aber erst mal ausgesprochen sinnvoll, weil alles, was die Eigenverantwortung stärkt, nur nützlich sein kann.
@Paul13: Den Link kannte ich bereits, trotzdem danke ! Ja, Eigenverantwortung und individuelle Freiheit sind mit das Wichtigste überhaupt wohl.
Was Interventionen angeht: diese sollten laut dem ARC rein egoistischen Interessen dienen. Bushs „Nation Building“ wird von Objektivisten daher meistens abgelehnt, Interventionen per se jedoch sicher nicht, im Gegenteil. So verlangt Peikoff seit Jahren bspw. dem Mullah-Regime im Iran ein Ende zu setzen.
Im zweiten WK hätte man Stalin nicht unterstützen sollen, sondern sich die beiden Gruppen an der Ostfront gegenseitig töten lassen und nur schauen, dass die USA Japan besiegen und GB und F finanziell an der Westfront unterstützen sollen. Es ist eine rein auf die USA-fokussierte Aussenpolitik.
So habe ich das verstanden. Ich bin aber bei dem Thema Interventionen sowieso meistens zwischen allen Stühlen …
@ CK
Das ist ja das Mißverständnis gegenüber Interventionen wie im Irak und der darauffolgenden Demokratisierung. Die dienen durchaus den Interessen der USA. Sie tun es nur halt erst langfristig. Täten sie es gar nicht, hätte Bush den NeoCons gar nicht erst zugehört.
Auch im II. Weltkrieg war es im Sinne der USA, die Nazis zu stoppen. Denn da haben sich nicht nur zwei Tyrannen im fernen Eurasien geprügelt. Hätte der aggressivere von beiden gewonnen, wäre das auch eine ernsthafte Bedrohung amerikanischer Interessen gewesen.
Also auch ohne eine moralische Bewertung kann man ganz egoistisch zu dem Schluß kommen, daß Interventionen zumindest langfristig sinnvoll sein können. Ich gebe aber zu, daß ich da selbst eine ziemliche Minderheitenposition vertrete.
@Paul13: Als wäre Stalin keine massive Bedrohung für die USA gewesen. Ich kann der Meinung, die Wilden ohne Verstand sollen sich gegenseitig abmurksen und dezimieren, durchaus einiges abgewinnen. Man hätte ja trotzdem die Nazis stoppen können, allerdings vlt. dann ohne die rote Armee bis Berlin gebracht zu haben.
Du hast aber recht, dass ein freier Irak heute wohl im Sinne, gerade auch Israels und der USA, ist.
@ CK
Die UdSSR war langfristig – nicht zuletzt dank der vorherigen Hilfe durch die USA selbst – sicherlich auch eine massive Bedrohung, aber das war 1941 noch nicht so ersichtlich. Die akutere und aufgrund ihres größeren Aggressionspotentials nach außen direktere Gefahr war definitiv das Naziregime.
Daß die USA und Großbritannien Hitler auch ohne die Sowjetunion in die Knie gezwungen hätten, so war aus damaliger Sicht nicht sicher und der Kampf hätte so auch größere Opfer seitens der USA gefordert. Die Frage, OB der Kampf gegen die Achsenmächte sinnvoll war, muß also klar mit ja beantwortet werden.
Was natürlich berechtigt ist, ist die Frage nach dem WIE. Ob man 1944, als die Achse militärisch bereits geschlagen war, Stalin noch groß entgegenkommen mußte, darf man tatsächlich bezweifeln. Aber Fehler bei der Ausführung stellen eine Entscheidung nicht automatisch auch grundsätzlich in Frage.