Kopfgeld auf NS-Verbrecher: Die letzte Chance der Nazi-Jäger
60 Jahre nach Ende der Nazi-Herrschaft gibt es wohl nicht mehr viele NS-Verbrecher, die ungeschoren davon kamen und heute noch leben. Nun hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Deutschland die “Operation last Chance” gestartet: Hinweise, die zur Verurteilung eines Nazis führen, werden mit 10.000 Euro belohnt. Doch die Aktion ist umstritten.
[...] “Kritik an der “Operation last Chance” kommt von Micha Brumlik, Direktor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Studien- und Dokumentationszentrums zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. “Das ist eine überflüssige, gegenaufklärerische Aktion, da hier in erster Linie an niedrige Instinkte, an Geldgier, appelliert wird - und nicht an moralische Selbstverständigung.
Also wenn der Appell an die Geldgier dazu führt, daß man ansonsten weiterhin flüchtige Mörder aufspürt, dann ist das ja wohl das kleinere Übel. Das sind ja keine Eierdiebe, sondern in der Regel brutale Sadisten, die ihren Opfern gegenüber keine Gnade gekannt haben, egal wie alt die waren. Wer es fertig bringt ein kleines Kind ins Gas zu schicken, oder einen alten Mann sein eigenes Grab schaufeln zu lassen, oder überhaupt einen Menschen, der um sein Leben fleht, aus nächster Nähe zu erschießen, von den Folterungen, Vergewaltigungen und “medizinischen” Experimenten mal ganz abgesehen, der gehört notfalls noch auf der Bahre in den Gerichtssaal gerollt.
[...] “Selbstverständlich müssen auch diese Verbrechen aufgeklärt werden. Aber: Die Täter, die jetzt noch gesucht werden, sind hoch betagt, vermutlich sind sie weder vernehmungs- noch verhandlungsfähig. Natürlich sollte ihren Taten zur Diskussion gestellt und erforscht werden. Der Weg, den das Simon-Wiesenthal-Zentrum einschlägt, ist aber der falsche.”
Dann sollten wir diese Regelung a la “Ich bin so alt und schwach, nein, ich weiß nicht mehr, was ich in Auschwitz gemacht habe, was haben sie gerade gesagt, Herr Richter!” und schon wird Verhandlungsunfähigkeit attestiert, in ihrer jetzigen Form vielleicht einfach mal überdenken. Aber selbst wenn nicht, alleine die Furcht, daß man sie möglicherweise doch noch entdecken und zur Rechenschaft ziehen könnte, ist wenigstens eine kleine Strafe, der die Täter bis an ihr Lebensende nicht entkommen werden, selbst wenn man sie letztlich dann doch nicht erwischt.



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